Behörde wirft Grazer Tierheim schwere Hygienemängel vor

13. März 2006, 11:24
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Hund sei bei Katzen gefunden worden - Hunde müssten teils bei minus 14 Grad im Freien nächtigen - Heimchef spricht von Intrigen

Graz/Wien - Das Grazer Tierheim "Arche Noah" und sein umtriebiger Gründerchef Herbert Oster sind mit schweren behördlichen Vorwürfen konfrontiert. Die "Arche Noah" hatte vor Wochen H5N1-verseuchte Schwäne aufgenommen, drei Heimkatzen wurden mit dem Virus infiziert - wovon sie sich erholten -, der Rest der Katzen wurde in die Quarantänestation nach Nickelsdorf gebracht, das Heim vorübergehend geschlossen.

Kranke Katzen hatten Kontakt mit gesunden Tieren

Veterinäramtliche Prüfungen der Stadt Graz, die dem STANDARD vorliegen, stellen schwere Mängel im Heim fest. So hätten kranke Katzen mit gesunden Kontakt gehabt, ein Hund sei in der Katzen-Quarantänestation gefunden worden. Hunde müssten teils bei minus 14 Grad im Freien nächtigen. Das Heim sei hoffnungslos überfüllt.

Klagen angekündigt

"Stimmt alles nicht, die Hunde haben winterfeste Hütten mit Stroh drinnen. Dass es in der Nacht einmal friert, kann sein", wehrt Arche Noah-Chef Herbert Oster im STANDARD-Gespräch alle Vorwürfe empört zurück. Es sei "eine Clique von Tierärzten, die von Landesrat Hans Seitinger unterstützt werden", am Werke, die seine Tierklinik übernehmen wollten. Oster: "Ich habe alles aufgebaut und werde die Verantwortlichen auf Amtshaftung und Schadenersatz klagen. Die Bösartigkeit der Menschen ist so groß. Tuts halt auch schauen beim Schreiben, dass ihr nicht einen Fehler machts. Aufpassen. Weil ich muss alles dem Anwalt geben."

Er sei überdies im Kontakt mit dem Wiener Tierschutzverein und auch den Tierbefreiern und dutzenden Sympathisanten, die im Falle des Falles eine Großdemo organisieren würden. Oster: "Und es steht auch, wie Sie wissen, die große Zeitung hinter mir."

Landesrat Seitinger bleibt ungerührt: "Ich lass mir nicht drohen. Wir werden eine härtere Gangart einlegen müssen. Es ist bereits eine Kommission, die alles prüfen wird, in Überlegung."

131 Hunde im Außenbereich

Die Untersuchungsergebnisse der letzten unangemeldeten veterinäramtlichen Überprüfung des Heimes im vergangenen Sommer fallen problematisch aus. Zitate: "Die Unterbringung von Tieren . . . erfolgt unter anderem in Gängen, Abstellräumen, Behandlungsräumen. 131 Hunde wurden 24 Stunden am Tag im Außenbereich gehalten . . . in einem Behandlungsraum wurde ein Hund an einer Wasserarmatur an der Wand angebunden . . . im Bereich Quarantäne der Hundeabteilung wurden Hunde angetroffen, deren Harn am Boden in Lacken stand, der Harn konnte nicht abrinnen . . ."

Verstoß gegen Sperre

Herbert Oster schäumt. Das alles seien "Momentaufnahmen". Der städtische Tierarzt Klaus Hejny sagt hingegen, es habe sich "an den massiven Problemen nichts Wesentliches verändert". Oster wird darüber hinaus vorgeworfen, gegen die behördliche Sperre verstoßen zu haben. Schon im Februar war die "Arche Noah" wegen des infizierten Schwans gesperrt worden. Dennoch sollen Tiere weiter vergeben worden sein. Darunter auch Katzen, für die nun eine Rückholaktion gestartet wurde.

Verwirrung um Dementi

In Wien sorgten Mittwochabend Vogelgrippealarm und Dementi für Verwirrung. Im Büro der Wiener Tierschutzstadträtin Sonja Wehsely (SP) hieß es zunächst, dass für den im Februar gefundenen toten Schwan nun ein positives H5N1-Ergebnis vorliege. Das Gesundheitsministerium korrigierte umgehend, dass lediglich H5 und nicht das für Menschen gefährliche H5N1-Virus nachgewiesen worden sei. Auch im Fall der bei Hartberg gefundenen toten Moschusente wurde Entwarnung gegeben, die seit Mitte Februar geltende Schutzzone aufgehoben. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe 9.3.2006)

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    Ende Februar wurden in der "Arche Noah" infizierte Schwäne entdeckt - Ställe und Käfige wurden aus Hygienegründen verbrannt. Nun gibt es schwere Vorwürfe gegen das Tierheim.

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