Telecom Italia dämpft Erwartungen

16. März 2006, 16:00
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Umsatz- und Gewinnprognosen zurückgeschraubt – Personalabbau geht weiter

Mailand - Nach der Gewinnwarnung bei Telecom France und Vodafone hat nun auch der italienische Telekomkonzern Telecom Italia seine Erwartungen für die kommenden drei Jahre heruntergeschraubt.

Der zu Wochenmitte präsentierte neue Geschäftsplan von Telecom Italia (TI) sieht bis 2008 eine jährliche Umsatzzunahme von drei bis vier Prozent gegenüber der ursprünglich geplanten sechs- prozentigen Wachstumsrate vor. Die Gewinnmargen (Ebitda-Marge) soll in den kommenden drei Jahren auf dem Niveau des Vorjahres stagnieren. Vor einem Jahr wurde noch ein Ertragzuwachs von drei Prozent prognostiziert. Trotz der kräftigen Dividendenaufstockung haben die TI- Kurse am Mittwoch in Mailand um über 2,6 Prozent nachgegeben.

Laut Analysten sei die Ertragskorrektur höher ausgefallen als ursprünglich angenommen wurde. Der Konzern konnte im Vorjahr den Gewinn zwar um 77 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro steigern. Grund für den Gewinnsprung waren jedoch der Verkauf von ausländischen Beteiligungen und die Integration des Mobilfunkherstellers TIM in den Konzern. Durch die Eingliederung des Mobilfunkanbieters erwartet Telecom Italia-Chef Marco Tronchetti Provera bis 2008 Kosteneinsparungen von insgesamt vier Mrd. Euro.

Abbau von 2000 Stellen

Im laufenden Jahr sollen 2000 Stellen abgebaut werden, nachdem bereits im Vorjahr der Personalstand um zehn Prozent gekürzt wurde.

Telecom Italia, ehemaliger Großaktionär von Telekom Austria will bis 2008 14 Mrd. Euro investieren und die Schulden von derzeit 39,8 auf 33,5 Mrd. Euro bis 2007 abbauen. Infolge der Eingliederung der Mobilfunktochter TIM sitzt Telecom Italia derzeit auf einen riesigen Schul 4. Spalte denberg. Dieser verhindert, dass sich der ehemalige Staatsmonopolist bei dem derzeit in Europa stattfindenden Wandel in der Telekombranche engagieren kann.

Der Konzern muss seine Wachstumsanstrengungen auf den gesättigten Inlandsmarkt konzentrieren. TI hat seine ausländischen Beteiligungen abgebaut und ist nur mehr am deutschen und französischen Breitbandmarkt präsent. Die Beteiligung in Holland sollen wie die Anteile an dem französischen Neuf- Konzern verkauft werden. In Deutschland will TI jedoch wachsen und die Anzahl der Breitbandkunden erhöhen. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2006)

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