Liebscher: Zinsniveau ist weiterhin sehr niedrig

23. März 2006, 18:55
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Jüngste Leitzinserhöhung war notwendig - Konjunkturbild in Österreich und dem Euroraum aufgehellt - Euro spielt bereits gewichtige Rolle

Wien - Das Zinsniveau im Euroraum sei weiterhin - nominell wie auch real - sehr niedrig, sagte der Gouverneur der Oesterreischischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher, heute, Mittwoch, laut Redetext vor der Österreichischen Liga der Vereinten Nationen in Wien. Die jüngste Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sei notwendig gewesen, um den geldpolitischen Kurs angesichts von Risiken für die Preisstabilität etwas zurückzunehmen, so Liebscher.

Besondere Preisrisiken stellen für Liebscher die hohen Ölpreise, Steigerungen bei administrierten Preisen und das anhaltend hohe Geldmengenwachstum dar.

Der EZB-Rat trage durch diese Zinsschritte weiterhin dazu bei, die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen im Einklang mit der Preisstabilität zu halten. Sie unterstütze dadurch auch weiterhin ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen, so Liebscher weiter.

Aktuelle Konjunktur aufgehellter

Zur aktuellen Konjunktur meinte Liebscher, diese präsentiere sich nicht nur in Österreich, sondern auch für den Euroraum deutlich aufgehellter. Die kurz- und mittelfristigen Erwartungen ließen auf einen gefestigten Aufschwung schließen. Angetrieben werde der Aufschwung durch verstärkte Investitionen und in Schwung kommenden privaten Konsum.

Liebscher mahnte auch weitere Strukturreformen in der EU ein, um im intensivierten internationalen Wettbewerb mehr Flexibilität zu gewinnen und ihr Potenzialwachstum nachhaltig zu erhöhen. Dies sei auch eine wesentliche Vorleistung, um bestehende Produktivitätsunterschiede gegenüber den USA zu verringern. Die Währungsunion bzw. der Euroraum bräuchten neben der Preisstabilität sichernden Geldpolitik nachhaltig gesunde Staatshaushalte und entschiedene strukturelle Wirtschaftsreformen zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Euro als Orientierungsmaßstab

Der Euro wirke bereits heute auch außerhalb des Euroraums als Orientierungsmaßstab und Anker für die Wirtschaftspolitik vieler Länder, hob Liebscher hervor. Er spiele bereits eine gewichtige Rolle im Handel und auf den Finanzmärkten. So würden beispielsweise bereits 40 Prozent aller weltweit getätigten Devisentransaktionen in Euro abgewickelt. 85 Prozent des österreichischen Außenhandels werden in Euro fakturiert.

Der europäischen Integrationsweg und die "junge" Währungsunion seien bisher sehr positiv verlaufen und hätten Europa nicht nur Wohlstand und Stabilität, sondern auch eine historisch beachtlich lange Friedensperiode beschert. "Europa kann und darf es sich nicht leisten in Stagnation/Orientierungslosigkeit oder gar Fatalismus zu verfallen. Dazu besteht auch kein Grund - es wurde gerade in den letzten eineinhalb Jahrzehnten Beachtliches erreicht", so Liebscher.

Globalisierung als Zukunftschance

Europa müsse die zunehmende Globalisierung und die weitere Liberalisierung und Flexibilisierung von Märkten als Zukunftschance erkennen. "Die europäische Politik und nationale Politiken sollten daher nicht defensiv agieren oder gar in Protektionismus zurückfallen, sondern die notwendigen Strukturreformen - mit entsprechendem Blick auch auf solide Staatshaushalte - energisch vorantreiben, damit sich 'unser Europa' weiter entwickeln, in seine internationale Rolle besser hineinwachsen und auch für künftige Generationen Wohlstand und Frieden sichern kann", so Liebscher. (APA)

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