Spanien: 10.000 Flüchtlinge warten an Küste Westafrikas

17. März 2006, 14:00
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Geheimdienst: 45 Schieberbanden kontrollieren Geschäfte - Eigener Wirtschaftszweig entstanden

Madrid/Nouakchott - Über 10.000 afrikanische Flüchtlinge warten an der Küste Westafrikas darauf, mit Booten auf die Kanarischen Inseln und damit in die Europäische Union zu gelangen. Der spanische Geheimdienst geht davon aus, dass sich in Mauretanien und in der Westsahara 10.000 bis 15.000 Afrikaner an 15 verschiedenen Orten versammelt haben und auf eine Gelegenheit zur Überfahrt warten.

45 Schieberbanden kontrollieren Geschäfte

Wie die Madrider Zeitung "El Pais" am Mittwoch berichtete, kontrollieren 45 Schieberbanden das Geschäft mit den Bootsfahrten auf die Kanaren. Die Flüchtlingsboote laufen nach diesen Informationen nicht mehr überwiegend von Marokko aus, sondern in zunehmendem Maße vom Wüstenstaat Mauretanien. Die Boote mit den illegalen Einwanderern werden häufig von erfahrenen Fischern gesteuert, die sich mit der Seefahrt auf dem Atlantik auskennen.

Eigener Wirtschaftszweig entstanden

Der Zustrom der Flüchtlinge habe an der Küste einen Wirtschaftszweig von Bootsbauern, Lebensmittel- und Benzinverkäufern entstehen lassen, berichtet das Blatt. Für die - oft lebensgefährliche - Überfahrt auf die Kanaren müssen die Flüchtlinge nach diesen Angaben 1.000 Euro zahlen. Die spanische Regierung kündigte Gespräche in Nouakchott an, um dem Zustrom illegaler Immigranten Einhalt zu gebieten.

Rund 75 afrikanische Flüchtlinge, die vor der Küste Westafrikas mit zwei Booten in Seenot geraten waren, wurden am Mittwoch gerettet und an Land gebracht. Der mauretanische Rettungsdienst habe die seit drei Tagen vermissten Flüchtlingsboote aufgespürt und die Insassen geborgen, berichtete der spanische Rundfunk unter Berufung auf Hilfsorganisationen in Mauretanien.

Die Afrikaner wollten von Mauretanien auf die Kanarischen Inseln übersetzen. Die Behörden hatten befürchtet, dass die Boote im Sturm gesunken seien. Am Wochenende waren in diesem Seegebiet zwei andere Flüchtlingsboote gekentert. Insgesamt 45 Menschen ertranken im Atlantik. (APA/dpa)

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