Entführte Sicherheitsleute ernten Spott: "Haben sich wie Schafe abführen lassen"

16. März 2006, 12:49
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Innenminister korrigiert Zahl der verschwundenen Leibwächter auf 22 - Kundenkartei der Sicherheitsfirma gestohlen

Bagdad/Kairo - Der irakische Innenminister Bayan Bakr Solagh hat sich am Sonntag spöttisch über die vergangene Woche in Bagdad entführten Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma geäußert. Solagh erklärte, diese hätten sich von den Entführern wie Schafe abführen lassen, "obwohl sie bei einer Sicherheitsfirma arbeiteten und auf dem Firmengelände modernste Waffen besaßen".

Anders als in den Medien dargestellt, seien bei dem Sturm auf die Firmenzentrale zudem nicht 50, sondern lediglich 22 Leibwächter entführt worden. Von den Leibwächtern der irakischen Firma Al-Rawafid, die von Männern in Uniformen des Innenministeriums verschleppt worden waren, fehlt bisher jede Spur.

Das Ministerium hatte zuvor jede Beteiligung an der Entführung bestritten. Solagh erklärte jedoch am Sonntag, mehreren so genannten Sicherheitsfirmen sei die Lizenz entzogen worden, nachdem sich herausgestellt habe, dass sie in Wirklichkeit nicht Bewachungsdienste angeboten, sondern "sich am Terrorismus beteiligt" hätten. Die arabische Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" schrieb am Sonntag unter Berufung auf einen Bruder des Inhabers der Firma Al-Rawafid, Regierungsbeamte hätten ihm gesagt, die Leibwächter befänden sich in einer Haftanstalt in Bagdad und würden derzeit verhört.

Geschehnisse

Die Geiselnehmer, die nach Angaben eines Augenzeugen Militäruniformen trugen, hatten am Mittwoch mit einem Dutzend Geländefahrzeugen die Straße blockiert, in die Luft geschossen und waren dann in das Hauptquartier der Firma im Osten Bagdads eingedrungen. Mit vorgehaltener Waffe zwangen sie die Angestellten zum Mitkommen. Wohin die Entführten gebracht wurden, war zunächst unklar. Das Unternehmen ist für die Sicherheit der irakischen Mobiltelefongesellschaft Irakna verantwortlich.

Kundenkartei der Sicherheitsfirma gestohlen

Unter den Entführten ist auch der Chef der Sicherheitsfirma Al-Rawafid. Die Kidnapper nahmen die Kundenkartei der Firma mit. Dies ließ bei einigen Beobachtern den Verdacht aufkommen, der Bande gehe es auch darum, die Namen von Menschen, die sich Leibwächter leisten können, in Erfahrung zu bringen, um sie dann zu entführen oder zu erpressen. (APA/dpa)

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    Allein in Bagdad sollen laut BBC über 250 private Sicherheitsfirmen tätig sein.

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