Biathlon: Sumann starker Vierter

16. März 2006, 11:42
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Makellose Schussleistung als Basis - 58. Weltcupsieg für Ole Einar Björndalen beim Weltcup-Sprint in Pokljuka

Pokljuka - Österreichs Biathleten haben sich nach den von unbewiesenen Doping-Vorwürfen überschatteten Olympischen Spielen in Turin mit der Einstellung ihrer besten Einzel-Saisonplatzierung im Weltcup stark zurückgemeldet. Der Steirer Christoph Sumann lief im Sprint in Pokljuka 31,9 Sekunden hinter Sieger Ole Einar Björndalen zum zweiten Mal in dieser Saison auf den vierten Platz. Selbiges war dem 30-Jährigen schon bei der Verfolgung in Antholz gelungen. Ex-Teamkollege Wolfgang Perner war im Olympia-Sprint Vierter geworden.

Doch während Perner von Dopinggerüchten belastet am Montag einen Tag vor Ex-Weltmeister Wolfgang Rottmann sein Karriereende bekannt gab, stellte Sumann unter Beweis, dass auch der Rest des Teams zu Topleistungen fähig ist. "Dabei habe ich mich in der Früh ganz schlecht gefühlt. Ich war müde und lustlos, aber das war beim Aufgehen des Startschrankens wie weggeblasen", erklärte der Olympia-Neunte im Massenstart. "Am Weg vom Hotel zur Strecke habe ich sogar eine halbe Stunde geschlafen."

Auf den 10 Kilometern holte Sumann dann für sich "das Maximum heraus", überzeugte vor allem mit zehn sicheren Treffern beim Schießen. "Das war eine Super-Leistung, das Schießen war optimal", meinte Biathlon-Cheftrainer Alfred Eder, dessen Team die Olympia-Affäre nicht nur durch den Verlust zweier Topathleten stark zugesetzt hat. "Ich bin schon sehr froh, dass wir hinten hinaus noch gute Leistungen bringen. Es wäre ein Drama, wenn nach den Vorfällen jetzt nichts mehr klappen würde."

Bei Sumann klappte es nahezu perfekt. Der Steirer durfte als Zweiter nach dem finalen Schießen sogar mit dem ersten ÖSV-Einzelpodestplatz der Saison spekulieren, musste auf der Schlussrunde allerdings noch den neuen Weltcup-Leader Raphael Poiree (FRA/löste den Deutschen Sven Fischer ab) und den Schweden Carl-Johan Bergman ziehen lassen. "Mit einem vierten Platz nicht zufrieden zu sein, wäre vermessen", meinte Sumann, der 2002 in Osrblie bereits einen Weltcup-Sprint gewonnen hatte.

"Ich bin mit Köpfchen gelaufen, weil ich gewusst habe, dass ich heute nur über das Schießen einen Topplatz erreichen kann", erklärte der 30-jährige Ex-Langläufer, der als bester Österreicher im Weltcup auf Rang 17 vorstieß und auch für das Verfolgungs-Rennen am Samstag eine sehr gute Ausgangsposition hat. "Bis dahin geht es mir auch läuferisch besser. Der Verfolger liegt mir, das Ziel ist ein Stockerlplatz."

Die Konkurrenz ist allerdings groß. Björndalen holte sich trotz zweier Schießfehler liegend seinen 58. Weltcup-Sieg, rehabilitierte sich damit für Olympia, wo er seine angestrebte sechste Goldmedaille verpasst hatte. Poiree war bei den Spielen überhaupt ohne Einzel-Medaille geblieben, meldete sich aber in starker Verfassung zurück. Dreifach-Olympiasieger Michael Greis kam nicht über Rang 20 hinaus. "Olympia ist abgehakt", brachte es Björndalen auf den Punkt.

Für abgehakt befindet Sumann auch die Doping-Affäre. "Das ist jetzt aus den Köpfen heraußen. Uns hat es ja nicht betroffen, wir haben uns immer klar distanziert", betonte Österreichs derzeit stärkster aktiver Biathlet. "Der Erfolg war wichtig für das ganze Team, denn es ist viel Blödsinn geredet worden." In Ludwig Gredler (1 Fehlschuss) qualifizierte sich noch ein weiterer ÖSV-Athlet als 18. für die Verfolgung, Friedrich Pinter (62.) scheiterte ebenso wie Daniel Mesotitsch (75./beide 3 Fehler). (APA)

Ergebnisse vom Biathlon-Weltcup der Herren in Pokljuka - 10 km Sprint (2 Schießen):

1. Ole Einar Björndalen (NOR) 24:04,9 Minuten (2 Strafrunden) - 2. Raphael Poiree (FRA) + 12,3 Sekunden (1) - 3. Carl-Johan Bergman (SWE) 24,2 (1) - 4. Christoph Sumann (AUT) 31,9 (0) - 5. Tomasz Sikora (POL) 34,5 (0) - 6. Vincent Defrasne (FRA) 42,4 (2) - 7. Halvard Hanevold (NOR) 43,9 (1) - 8. Sergej Tschepikow (RUS) 49,2 (0) - 9. Michael Rösch (GER) 55,5 (2) - 10. Andreas Birnbacher (GER) 56,4 (1) - weiter: 18. Ludwig Gredler 1:17,4 (1) - 62. Friedrich Pinter 2:41,6 (3) - 75. Daniel Mesotitsch (alle AUT) 3:16,4 (3)

Weltcup-Gesamtstand (nach 19 von 26 Rennen): 1. Poiree 511 Punkte - 2. Björndalen 504 - 3. Sven Fischer (GER) 488 - 4. Michael Greis (GER) 470 - 5. Hanevold 450 - 6. Rösch 430 - 7. Defrasne 411 - 8. Frode Andresen (NOR) 403 - 9. Alexander Wolf (GER) 378 - 10. Maxim Tschudow (RUS) 348 - weiter: 17. Sumann 262 - 25. Wolfgang Rottmann 159 - 38. Wolfgang Perner 87 - 40. Mesotitsch 79 - 44. Gredler 68 - 56. Pinter (alle AUT) 44

Sprint-Weltcup (8/10): 1. Andresen 211 - 2. Poiree 209 - 3. Hanevold 188 - 4. Defrasne 187 - 5. Björndalen 186 - 6. Wolf 185 - weiter: 16. Sumann 117 - 27. Perner 69 - 34. Rottmann 55 - 35. Gredler 51 - 37. Mesotitsch 36 - 64. Pinter 6

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    Mit einer fehlerlosen Schießleistung legte Christoph Sumann den Grundstein für seinen starken vierten Platz.

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