Kleiner gegen großer Bulle

9. März 2006, 19:32
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Red Bull präsentiert in Bahrain gleich zwei Teams - "Helfen uns gegenseitig wo es geht, aber am Sonntag sind wir Konkurrenten"

Sakhir/Bahrain - Am Sonntag beginnt mit der dritten Auflage des GP von Bahrain erstmals in der Geschichte die Formel-1-WM am persischen Golf. Eine WM, deren 18 Läufe erstmals auch im Zeichen von zwei "österreichischen" Teams stehen, auch wenn Red Bull Racing mit dem RB2 unter englischer und die Scuderia Toro Rosso mit dem STR1 unter italienischer Flagge fährt. Am Donnerstagabend werden die neuen Autos beider Teams gemeinsam in Bahrain präsentiert.

Am Privatstrand des Ritz-Carlton-Hotels in der Hauptstadt Manama präsentiert Red Bull damit erstmals gleich zwei Teams. Und das im exklusiv-orientalischen Ambiente. Auf der Bühne der künstlichen Halbinsel erwartet rund 1.000 Gäste ab 19.00 Uhr MEZ u.a. ein "emotionaler" Film über beide Teams und jede Menge Prominenz wie etwa Boris Becker. Die begehrten Einladungen für die Präsentation steckten in exklusiven Schatzkästchen.

Durchgesickert ist bereits, dass speziell der "kleine Bulle", sprich der STR1 von Toro Rosso, mit außergewöhnlichen Aussehen überraschen wird. "Ein sensationelles Design" versprach auch Teamchef Franz Tost. Der 50-jährige Tiroler ist seit vergangenem November oberster Feldherr des weiterhin in Faenza stationierten Ex-Minardi-Teams, das seit kurzem zur Hälfte Gerhard Berger gehört. Tosts Gegenstück bei Red Bull ist Christian Horner, mit 32 Jahren weiterhin der jüngste Teamchef in der Formel 1.

Red Bull Racing und Toro Rosso gehen im Marketing und bei der Öffentlichkeitsarbeit gemeinsame Wege. Beide Teams stellen komplett neue Autos, auch wenn der STR1 auf dem Vorjahres-RB1 aufsetzt. Technisch wirklich gegenseitig befruchten wird man sich wohl erst dann können, wenn neue Regeln offizielle A und B-Teams erlauben. So sehr man jetzt schon alle möglichen Synergien nutzt, spätestens am Renntag sind die beiden Austro-Teams trotz des gemeinsamen Besitzers sportliche Gegner.

Das ist auch für Tost glasklar. "Wir helfen uns gegenseitig wo es geht, wir sind ja eine große Familie. Aber am Sonntag um 14.00 Uhr sind wir ganz normale Konkurrenten", so der Tiroler aus Trins im Gschnitztal, der auch in Faenza den Ski-Weltcup aufmerksam verfolgt. Ehrensache als "Nachbar" von Slalom-Ass Manfred Pranger.

Was also wird wirklich passieren, wenn sich die "großen Bullen" mit den "Routiniers" David Coulthard und Christian Klien und die Toros mit den gedrosselten V10-Motoren sowie den relativ unerfahrenen Piloten Tonio Liuzzi und Scott Speed sportlich in die Quere kommen? "Beim Überrunden machen wir Platz wie bei jedem anderen Team. Aber sonst wird der italienische Stier dem englischen Stier nicht weichen", so Tost schmunzelnd. Nachsatz: "Aber es ist klar, dass Red Bull normalerweise nicht in unserer Reichweite ist."

In Reichweite kommen oder gar überflügeln könnte man den großen Bruder aber bald bezüglich Kult-Status. Während sich Red Bull Racing wegen der aggressiven Einkaufspolitik und anderer Strategien bereits Kritik der Konkurrenz zugezogen hat, hat Toro Rosso einen Newcomer-Bonus. Man will noch einen Tick cooler und lässiger auftreten als die großen Bullen, die nach dem Engagement von Designer-Star Adrian Newey und mit den Ferrari-Motoren doch schon ziemlichen Erfolgsdruck haben.

Bei den Toros hat man noch etwas Zeit, will sich langsam nach vorne arbeiten. "Die sechs Werkteams sowie die Privatiers Williams und Red Bull sind auf jeden Fall vor uns", ist Tost Realist. Trotz der Zuverlässigkeit der V10-Motoren "können wir aus eigener Kraft nicht in die Punkte fahren", ist der Tiroler überzeugt. Tost hofft auch, dass der harte Kern der (Minardi-) Fans weiterhin zum Team steht. "Wenn sie echte Fans sind, müssen sie Dietrich Mateschitz und Red Bull danken. Ohne die wäre das Team tot." (APA)

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