Internetpolizisten hilflos gegen Internetkriminalität in China

15. März 2006, 08:09
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Organhandel, Pornos und Schwarzmarkt trotz strenger Kontrolle

Chinas Internet ist trotz der schätzungsweise 30.000 Internetpolizisten ein Tummelplatz für Betrüger, Hehler und Diebe. Zwar sucht der chinesische Internetuser vergeblich nach Informationen zu Stichwörtern wie Tiananmen Platz oder Falun Gong. Dafür findet man Drogen, Waffen, Sex oder menschliche Organe in Chinas streng zensuriertem Netz, wie die New York Times berichtet. Ursache dafür ist das wild wuchernde Wachstum des Internet. Gleich nach den USA verzeichnet China mit 110 Millionen Internetsurfern die weltweit größte virtuelle Gemeinde. "Es ist ein wilder Platz. Außerhalb der Politik ist China freier als jeder andere Ort", sagt Xiao Qiang, Leiter des China-Internet-Projektes an der University of California in Berkeley.

"Das ist nicht effizient genug"

Die Behörden haben in den vergangenen Jahren über 2.000 Sex- und Spielerseiten zugemacht. Aber die Bemühungen der Regierung sind nicht ausreichend, denn jeden Tag entstehen neue zwielichtige Webseiten. " Die chinesische Regierung startet im Jahr ein, zwei Kampagnen um gegen Pornografie oder den Verkauf illegaler Waren vorzugehen. Das ist nicht effizient genug", meint Lu Weigang, ein Analyst am China Internet Network Information Center in Peking. Nach dem Gesetz sind die meisten dieser Seiten illegal. Experten sind der Ansicht, dass die Anzahl der zu kontrollierenden Websites zu groß ist. Aber die Bemühungen seitens der Regierung scheinen auch halbherzig. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass staatliche Internetprovider und Telekomunternehmen mitverdienen.

Umsatz von 69 Mrd. Dollar

Der Online-Umsatz wird für das vergangene Jahr in China auf rund 69 Mrd. Dollar geschätzt. Das ist nach Berechnungen des China Development Research Center ein Zuwachs von 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr . An der Wall Street rechnet man damit, dass China bis 2010 Weltmarktführer im Online-Handel sein wird. Neben Werbung, E-Commerce und illegalen Diensten ist Online-Unterhaltung ein sehr viel versprechender Bereich. Für Dali L. Yang von der University of Chicago führt die grenzenlose Freiheit des Internet abseits der Politik zu einer sozialen Revolution in China. "Früher hat die Regierung die sozialen Dynamiken, die im Internet entstehen, für politisch und selbstverständlich als Zeichen eines bürgerlichen Lebensstils gehalten. Aber jetzt hat die Kommunistische Partei erkannt, dass es ihnen in einer globalisierten Wirtschaft nicht möglich ist, alles zu verstecken", so der Professor.(pte)

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