17. März 2006, 14:49
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Gestärkt durch einen historisch guten Jahresabschluss 2005 will Deutschlands größtes Pressehaus Axel Springer "mit Angriffslust und Augenmaß" neue Printtitel im In- und Ausland gründen. Nach der geplatzten ProSiebenSat.1-Übernahme strebe der Konzern nun keineswegs nach "Akquisitionen aus Prestigegründen", versicherte Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch in Berlin. Der gescheiterte Milliardendeal sei zwar eine besonders attraktive Gelegenheit gewesen. "Aber wir brauchen dafür keinen Ersatz", sagte Döpfner.

"Jolie", "TV Digital", "Fakt"

Auf der Bilanz-Pressekonferenz berichtete der Vorstandschef, die seit Jahren verfolgte Strategie, neue Objekte zu gründen und sie zügig in die Gewinnzone zu führen, gehe auf. Als Beispiele nannte er das Frauenmagazin "Jolie" und die Programmzeitschrift "TV Digital", deren Auflage 2005 um 40 Prozent auf 1,7 Mio. Exemplare gestiegen sei. In Polen sei "Fakt" ein Jahr nach Gründung die größte Zeitung und habe die Gewinnzone erreicht.

Tageszeitung für Kinder, Testzeitschrift und Angebote für Senioren

"Diesen Weg werden wir mit neuen Ideen weiterverfolgen", erklärte Döpfner. In Planung seien für Deutschland etwa eine Tageszeitung für Kinder, eine Testzeitschrift sowie maßgeschneiderte Angebote für Senioren. Im Ausland liege der Fokus auf Europa und dort speziell im Osten. Döpfner kündigte unter anderem an, dass in Russland demnächst die achte "Computer-Bild"-Ausgabe startet. Döpfner zog das Fazit, Springer sei Deutschlands "kreativster und profitabelster Großverlag".

Rekordjahresabschluss

Bereits Mitte Februar hatte Springer den besten Jahresabschluss aller Zeiten vermeldet. Der Überschuss kletterte 2005 auf den historischen Höchststand von rund 230,7 Mio. Euro. Das ist 56 Prozent mehr als der Vorjahreswert von 148 Mio. Euro. Der Umsatz blieb mit 2,39 Mrd. Euro aber knapp unter dem Vorjahreswert von 2,40 Mrd. Euro. Der Vorstand hat vorgeschlagen, eine Dividende von 1,70 Euro je Aktie auszuschütten; das sind 50 Cent mehr als in den Vorjahren.

"Gutes Polster" für Übernahmen

Zu möglichen Übernahmen oder Zukäufen sagte Döpfner, die auf 327 Mio. Euro verdoppelte Nettoliquidität und die Eigenkapitalquote von 45,4 Prozent verschafften der Aktiengesellschaft "ein gutes Polster". Im Bedarfsfall könnten damit auch wesentlich höhere Summen freigeschaufelt werden, wie das Übernahmeangebot für Deutschlands größte Sendergruppe ProSiebenSat.1 im Volumen von vier Mrd. Euro gezeigt habe.

Der Deal war Anfang Februar am Widerstand des Bundeskartellamts und der Medienkommission KEK gescheitert. Die einjährige Vorbereitung habe "viel Zeit und Energie gekostet", räumte Döpfner ein. Doch nehme Springer das Scheitern sportlich.

"Internationalisierung und Digitalisierung"

Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr sagte Döpfner: "Internationalisierung und Digitalisierung werden wir durch Wachstum aus eigener Kraft, aber auch durch gezielte Zukäufe mit Angriffslust und Augenmaß umsetzen." Zu der möglichen Ergebnisentwicklung 2006 erklärte er: "Starten wir wenige Aktivitäten oder gar keine, wird das Ergebnis auf oder über dem Vorjahresniveau liegen. Investieren wir viel in neue Geschäfte, kann das Ergebnis auf Grund hoher Anlaufverluste auch deutlich darunter liegen."

Geschäft mit Briefpost

Im Jahr 2007 will Springer zusammen mit den Verlagshäusern WAZ und Holtzbrinck ins Geschäft mit Briefpost einsteigen, für deren Zustellung dann das bisherige Monopol der Post fällt. In diesem "hochprofitablen Markt" wolle das Gemeinschaftsunternehmen "Pin Group" die Nummer zwei hinter der Post werden, sagte Döpfner.

Gratis-Zeitungen

Eine baldige Offensive von Gratis-Zeitungen in Deutschland erwartet Springer nicht. Dieses Geschäftsmodell sei überschätzt und funktioniere nur in Monopol-Märkten, meinte Döpfner. Eine Neugründung auf dem hiesigen Markt würde Springer sofort mit einem Konkurrenzprodukt beantworten, das bereits fertig konzipiert sei. (APA/AP)

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