Air Berlin holt sich bis zu 800 Millionen Euro von der Börse

27. März 2006, 09:15
posten

Niki-Partner Air Berlin kündigte einen Börsengang an, um damit die weitere Expansion zu finanzieren

Berlin/Wien – Deutschlands zweitgrößte Airline nach der Lufthansa, die Air Berlin will sich über einen Börsengang in Frankfurt frisches Kapital besorgen, um "im harten europäischen Wettbewerb weiter wachsen zu können", kündigte Vorstandschef und Miteigentümer, Joachim Hunold an. Details wie den Zeitpunkt oder den erwarteten Erlös gab Hunold noch keine bekannt. Er rechnet damit, dass sich der Marktanteil der Low-Cost-Carrier in Europa in den nächsten Jahren verdoppeln wird.

In Finanzkreisen wird das Emissionsvolumen mit 500 bis 800 Millionen Euro beziffert. "Die Air Berlin wird heuer sicherlich einer der größten Börsengänge", hieß es. Ein Involvierter meinte, der Börsengang könnte noch in der ersten Jahreshälfte über die Bühne gehen. Das derzeit freundliche Klima an den Aktienmärkten spreche für einen schnellen Börsengang. Begleitet wird die Transaktion von der Commerzbank und Morgan Stanley. Im Vorfeld wurde bereits eine Kapitalerhöhung von 130 Mio. Euro beschlossen.

Seit 2004 hält die Air Berlin 24 Prozent an Niki Laudas Airline Niki. Das soll auch künftig so bleiben. Wie überhaupt Wien für die Air Berlin bereits der zweitwichtigste Flughafen ist. Allein Vorjahr wurde ein Plus von 22 Prozent erzielt.

Insgesamt steuert die 1978 gegründete Air Berlin, die im Besitz von Privatpersonen steht, 55 Destinationen von Deutschland aus an. Mit 13,5 Mio. Passagieren beförderten die Deutschen deutlich mehr Gäste als die AUA, die im Vorjahr auf zehn Mio. kamen. Zu den derzeit 54 Flugzeugen, kommen heuer noch sechs dazu. Bis 2011 sind insgesamt 60 neue Flieger bestellt. Mit knapp 2700 Mitarbeitern wurden im Vorjahr 1,22 Mrd. Euro umgesetzt. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Leasingkosten betrug 153 Mio. Euro. Der durchschnittliche Ticketumsatz pro Strecke Yield) liegt bei 79 Euro.

Germanwings nimmt Kurs auf Innsbruck und Graz

Die Lufthansa-Tochter Germanwings, die seit 2002 Wien anfliegt, überlegt nun auch, Innsbruck und Graz anzusteuern. Derzeit wird Wien von Köln und Bonn aus bei einer Auslastung von 80 Prozent dreimal täglich angeflogen, sagte Geschäftsführer Joachim Klein. Innsbruck wäre für Germanwings ein klassisches Winterziel. Aber der Innsbrucker Airport sei wegen der Wetteranfälligkeit ein schwieriger Flughafen, argumentierte Klein auf der derzeit stattfindenden internationalen Tourismusbörse in Berlin. Bereits seit Monaten verhandle man auch mit dem Flughafen Graz, die Gespräche hätten aufgrund der relativ hohen Kosten in Graz aber noch zu keinem Ergebnis geführt. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Deutschlands zweitgrößte Airline will bis Jahresende ihre Flotte um 60 Maschinen aufstocken.

Share if you care.