UNO-Tribunal verringert Haftstrafe für Srebrenica-Täter

16. März 2006, 18:58
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Momir Nikolic muss nur 20 statt 27 Jahre ins Gefängnis

Den Haag - Einer der Mitverantwortlichen für das 1995 an bosnischen Moslems verübte Massaker von Srebrenica hat vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag eine deutliche Verringerung seiner Haftstrafe erreicht. Der teilweise geständige ehemalige serbische Offizier Momir Nikolic muss für seine Beteiligung am Srebrenica-Massaker mit 20 Jahren Haft büßen. In erster Instanz war er zu 27 Jahren verurteilt worden.

Die Revisionskammer gab dem Einspruch gegen dieses Urteil am Mittwoch teilweise statt. Sie befand, die erstinstanzlichen Richter hätten unter anderem das Geständnis Nikolics und seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Anklage nicht ausreichend gewürdigt. Sie hätten Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit und seiner Reue geäußert, dies aber nicht genau begründet.

2202 verhaftet

Nikolic war 2002 von der internationalen Friedenstruppe SFOR in Bosnien verhaftet und dem UNO-Tribunal überstellt worden. Die Anklage lautete zunächst auch auf Völkermord - die am schwersten wiegende Beschuldigung. Nikolic plädierte anfangs auf unschuldig. Später gab er die Beteiligung an Mord und Vertreibung zu. Dafür ließ die Anklage den Völkermord-Vorwurf fallen und sprach sich für eine Strafe von maximal 20 Jahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aus. Mit ihrem Urteil vom Mittwoch hält die Revisionskammer diesen Rahmen - an den sie nicht gebunden ist - ein, nachdem die erste Instanz weit darüber hinaus gegangen war.

Das Massaker von Srebrenica ist vom UN-Tribunal bereits als Völkermord gewertet worden. Doch keiner der Angeklagten ist bisher rechtskräftig wegen dieses Vorwurfs verurteilt worden. In Srebrenica wurden nach internationalen Angaben bis zu 8.000 bosnische Moslems von serbischen Truppen ermordet. (APA/dpa)

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