T-Mobile/tele.ring: One kritisiert EU-Kommission und Bartenstein

20. März 2006, 15:42
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Bang-Jensen: Wirtschaftsminister sollte gesamte Branche vertreten und nicht nur für ein Unternehmen lobbyieren

Der drittgrößte österreichische Mobilfunkbetreiber One übt im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von tele.ring durch T-Mobile Austria ungewohnt scharfe Kritik an EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und an Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V). "Was da passiert, ist schön langsam lächerlich", sagte One-Chef Jorgen Bang-Jensen im Gespräch mit der APA.

Wettbewerb nicht gesichert

Sollte der Deal mit den bekannten Auflagen grünes Licht von der Wettbewerbsbehörde bekommen, sei der Wettbewerb in Österreich nicht mehr gesichert, sagte Bang-Jensen. Die geplanten Auflagen für die Übernahme - nämlich die Abgabe von tele.ring-Sendestationen und UMTS-Frequenzen an den UMTS-Betreiber Hutchison - seien nicht dafür geeignet, um den Wettbewerb am heimischen Mobilfunkmarkt nachhaltig zu sichern. "Die EU-Kommission hat den Blick dafür verloren, was für Wettbewerb sorgen kann", glaubt der One-Chef. Ob Hutchison 2.000 Sendestationen früher oder später bekomme, habe keinen Einfluss auf die Höhe der Handytarife.

Kritik an Bartenstein

Heftige Kritik übt Bang-Jensen auch an Bartenstein, der gegenüber Kroes die Meinung vertrat, in Österreich seien gegenüber dem Merger bisher keine wesentlichen Bedenken geäußert worden. Bartenstein habe es verabsäumt, von One als wichtigem Marktplayer mit 20 Prozent Marktanteil eine Stellungnahme einzuholen, beanstandet Bang-Jensen. Von einem Wirtschaftsminister werde erwartet, dass er die gesamte Branche vertrete und nicht für ein einzelnes Unternehmen in Brüssel Lobbying betreibe.

"Duopol"

Werde der Deal mit den bekannten Auflagen abgesegnet, sei der Wettbewerb in Österreich gefährdet, meint Bang-Jensen. Die Auflagen würde das durch die tele.ring/T-Mobile-Fusion entstehende "Duopol" von Mobilkom und T-Mobile, die dann gemeinsam über mehr als 75 Prozent Marktanteil verfügen, nur weiter verstärken und Hutchison begünstigen, One hingegen benachteiligen.

Neuregelung der Terminierungsentgelte

Sichern könnte man den Wettbewerb in Österreich hingegen beispielsweise durch eine Neuregelung der Mobilfunk-Terminierungsentgelte, glaubt Bang-Jensen. Daher habe One die EU-Kommission in einem Schreiben von vergangener Woche aufgefordert, die österreichische Regulierungsbehörde RTR zu veranlassen, die Terminierungsentgelte neu zu regeln, damit One nicht benachteiligt werde.

"Preiswerter Vollanbieter"

One stehe für Wettbewerb in Österreich, aber nur, wenn das die Rahmenbedingungen auch zulassen, meinte Bang-Jensen. Das Unternehmen sehe seine Rolle im Markt aber nicht als "Maverick" (Preisbrecher, Anm.) oder Billiganbieter, sondern als "preiswerter Vollanbieter" in allen Kundensegmenten.

Keine Billigschiene

Auch der Hutchison-Konzern (Drei), bei dem die EU-Kommission im Rahmen des Fusionsverfahrens noch prüft, ob er die Rolle von tele.ring einnehmen könnte, hatte am Montag selbst eine Preisbrecher-Strategie ausgeschlossen. "Das passt nicht zu uns. Wir setzen auf Multimedia am Handy, Sprachtelefonierer sind nicht unsere primäre Zielgruppe", erklärte Unternehmenssprecherin Maritheres Paul gegenüber dem WebStandard.

Kampf um Kunden

Ende Februar war dennoch eine neue Runde im Kampf um Kunden am heimischen Mobilfunkmarkt eingeläutet worden. Nach dem viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieter tele.ring, der One-Tochter Yesss! versuchen auch Tele2UTA und T-Mobile den Markt mit Wertkarten-Niedrigtarifen aufzumischen. Die Mobilkom überlegt ebenfalls eine eigene Billigschiene zu starten.(APA)

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    foto: one / keinrath
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