Microsoft droht neue Untersuchung der EU

8. März 2006, 11:57
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Beschwerde von Konkurrenten liegt vor - Microsoft hat bereits eine Gegenklage angestrengt

Die Europäische Union könnte nach jüngst aufgetauchten Anschuldigungen gegen Microsoft, die besagen, dass der weltgrößte Softwarekonzern seine Marktmacht auch bei seinen Softwareprogrammen wie Word und Excel missbrauche, eine neue Untersuchung gegen das US-Unternehmen einleiten. Dies deutete die europäische EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes an.

Hintergrund

Hintergrund ist eine gemeinsam von den Computerunternehmen IBM, Oracle, Sun Microsystems vergangenen Monat bei der Europäischen Kommission diesbezüglich eingebrachten Beschwerde - der WebStandard berichtete. Derzeit schwebt über Microsoft bereits die Drohung einer Zwei-Mio.-Euro-Strafe pro Tag, sollte die Gates-Company die 2004 von der EU verordneten Auflagen im Kartellstreit nicht erfüllen.

Pflicht und Verantwortung

"Wir haben die Pflicht und die Verantwortung, wenn es einen Kläger gibt, dies ernst zu nehmen", sagte Kroes gestern, Mittwoch, in Tokio, wo sie sich zu Kartellrechtsgesprächen mit Japan aufhielt. "Macht die Beschwerde Sinn, werden wir ermitteln."

Microsofts Office-Software, zu der unter anderem die Programme Word und Excel gehören, stellt die zweitgrößte Umsatzquelle des Unternehmens hinter dem Betriebssystem Windows dar. MS Office hat Schätzungen zufolge einen Marktanteil von 95 Prozent, zu den Konkurrenten zählen unter anderem Sun Microsystems StarOffice und das frei distribuierte Open Office. Noch heuer soll eine neue Version von Microsoft Office auf den Markt kommen.

"Unfaires Verhalten"

Das European Committee for Interoperable Systems, dem Technologieunternehmen wie IBM, Oracle, Sun Microsystems, Nokia und RealNetworks angehören, reichte am 22. Februar in Brüssel gegen Microsoft Klage ein. Microsoft lasse anderen Softwareanbietern, aber auch Kunden mit seinem Wettbewerbsverhalten keine wirkliche Chance, so die Kritik. Als Beispiel nannte man Microsofts Bürosoftware "Office", die Konkurrenzprodukte an einem reibungslosen Zusammenspiel mit dem ebenfalls von Microsoft kommenden PC-Betriebssystem "Windows" hindere.

Microsoft hat bereits eine Gegenklage angestrengt und bei der Justiz der US-Staaten New York, Massachusetts und Kalifornien eine gerichtliche Anordnung beantragt, mit der die Konkurrenzunternehmen Sun Microsystems, IBM, Oracle und Novell dazu gebracht werden sollen, ihre Korrespondenz mit der EU auszuhändigen - der WebStandard berichtete.(red/DER STANDARD, Printausgabe vom 8.3.2006)

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