Gegen die Verwässerung der Weinkultur

15. März 2006, 15:45
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Startschuss für eine Kampagne gegen Kunstwein: Spitzenwinzer haben in der Zeitschrift "Wein Gourmet" ein Manifest veröffentlicht

Hamburg - Führende Winzer aus Deutschland und Frankreich starten in der neuesten Ausgabe von Deutschlands auflagenstärkster Weinzeitschrift, "Wein Gourmet", eine Kampagne gegen Kunstwein. Mit Beginn des neuen Jahres hatte die Europäische Union der Einfuhr so genannter "fraktionierter" Weine den Weg geebnet. Diese Weine werden aus technisch gewonnenen Wein-Bestandteilen so zusammengemischt, dass ein beliebig kontrollierbares und manipulierbares Geschmacksprofil zu erzielen ist.

So dürfen jetzt auch Weine, die mit Eichenspänen behandelt oder mit Wasser verdünnt wurden, in der EU verkauft werden. "Diese Techniken wurden zwar gegenwärtig nur für Importweine aus den USA legalisiert", so "Wein Gourmet"-Redakteur Ulrich Sautter. Es sei "jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die umstrittenen Techniken auch für die Bereitung europäischer Weine zugelassen werden. Dann könnte die Hemmschwelle weiter sinken, beispielsweise, indem erlaubt wird, solchen Weinen künstliche Aromastoffe zuzusetzen."

Nach Ansicht der protestierenden Winzer entfernen sich solche Möglichkeiten industrieller Weinbereitung immer weiter von dem, was als gutes Winzerhandwerk gelten kann. Außerdem prangern sie an, dass dem Konsumenten die Information verwehrt werde, welche Weine mit umstrittenen Verfahren hergestellt wurden, da es keine Deklarationspflicht gibt. In einer ersten Unterschriftensammlung unterstützten 150 namhafte Winzer aus neun Ländern die Protestnote. (red)

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