Prominenz gegen braune Lorbeeren erfolgreich

8. März 2006, 14:36
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St. Wolfgang benennt Promenade nach Kritik um

Linz - Zahlreiche Prominente aus Kultur und Wissenschaft sowie KZ-Überlebende haben jetzt mit einer österreichweiten Unterschriftenaktion, initiiert vom oberösterreichischen Netzwerk gegen Faschismus, ihre Stimme gegen "braune Flecken" in zwei oberösterreichischen Gemeinden erhoben.

Lambach (Bezirk Wels Land) und St. Wolfgang im Salzkammergut halten trotz massiver Proteste vehement an Ehrungen von Personen mit nachweislicher NS-Vergangenheit fest. In St. Wolfgang trug die direkt am Wolfgangsee gelegene Promenade den Namen des ehemaligen Gemeindearztes Franz Xaver Rais (1899 bis 1972). Rais war ab 1933 NSDAP-Mitglied, trat später der SA bei und denunzierte nachweislich eine Jüdin.

Der Bürgermeister von St. Wolfgang, Johannes Peinsteiner (V) erklärte, nach einer internen Abstimmung sei beschlossen worden, dass es ab sofort nur noch eine "Doktor-Promenade" gebe. Jeder könne sich dabei seinen "Doktor" denken. Sollte es beim früheren Gemeindearzt Franz Xaver Rais "dunkle Flecken" geben, distanziere sich St. Wolfgang logischerweise davon.

Nobelpreisträger-Veto

Ähnlich in Lambach: Die Malerin und NS-Denunziantin Margarethe von Pausinger (1880 bis 1956) ist bis heute Ehrenbürgerin der Gemeinde. Eine nach ihr benannte Straße wurde erst im Oktober des Vorjahres nach massiven Protesten umbenannt. Von Pausinger denunzierte nachweislich 1939 den Regimekritiker Friedrich Wingen, der letztlich 1944 im KZ Lublin qualvoll an von SS-Ärzten injizierten Typhusbakterien verstarb. Vizebürgermeisterin Christine Oberndorfer (V) stellte fest, die Oberösterreichische Gemeindeordnung sehe vor, dass eine Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erlöschen würde. Darüber hinaus gebe es auch eine entsprechende Rechtsauskunft des Landes. Somit sei dazu nichts mehr zu sagen

Die Liste der Persönlichkeiten, deren Appell zur Beseitigung der braunen Gemeinde-Lorbeeren sich an die oberösterreichische Landespolitik richtet, ist hochkarätig. Mit dem Naturwissenschafter Walter Kohn und der Schriftstellerin Elfriede Jelinek finden sich darunter auch zwei Nobelpreisträger.

Unterzeichnet haben unter anderem auch die Schauspieler Erwin Steinhauer und Harald Krassnitzer, der Politologe Anton Pelinka sowie die Schriftsteller Josef Haslinger, Robert Schindel und Michael Köhlmeier. Für die jüdischen Gemeinden schloss sich der Präsident des Bundesverbandes, Ariel Muzicant, dem Aufruf an. Auch die wissenschaftliche Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Brigitte Bailer, unterstützt die Initiative. (red/APA/Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 08.03.2006)

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