EU-Kommission: Österreich macht es richtig

13. März 2006, 11:23
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Situation in Deutschland für Katzen anders

Die EU-Kommission ist einverstanden, dass die Katzen aus der Grazer "Arche Noah" - die infizierte sowie die anderen - nicht getötet, sondern in Quarantäne gehalten und weiter untersucht werden. Weitere Maßnahmen seien derzeit nicht erforderlich, sagte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar, Markos Kyprianou, Philip Tod, zum STANDARD. Es sei auch nicht notwendig, ein Freilaufverbot für Katzen zu verhängen, weil das infizierte Tier nicht frei herumgelaufen sei sondern in einem Tierheim war. Das Hausgebot für Katzen, wofür sich der ständige Veterinärausschuss der EU ausgesprochen hatte, sei nicht bindend. Der österreichische Fall unterscheide sich vom deutschen: In Rügen war eine verwilderte Katze, die offenbar infizierte Vögel gefressen hatte, betroffen.

Der Kommissionssprecher unterstrich, dass die Infektion der Katzen im Tierheim "Arche Noah" mit dem Virus zeige, dass die Exposition sehr stark sein müsse, aber auch, dass die Tiere bisher keine Symptome zeigten.

Viruskriminalität

Aus Russland wurde ein Fall von Viruskriminalität bekannt: Bekleidet mit weißen Schutzanzügen zogen Betrüger in ein Dorf in der Kaukasusrepublik Karatschajewo-Tscherkessien und beschlagnahmten Hühner, Enten und Gänse.

Hongkong will aus Angst vor einer Ausbreitung der Vogelgrippe die Hühnerhaltung beschränken. Die Zahl der Tiere soll bis Mai um ein Drittel auf zwei Millionen gesenkt werden.

Am Donnerstag war in der Nachbarprovinz Guangdong ein 32-Jähriger am Vogelgrippe-Virus H5N1 gestorben. Seit dem Jahr 1997 fielen der Erkrankung weltweit mehr als 80 Menschen zum Opfer. An den gewöhnlichen Grippeformen und ihren Folgen sterben allein in Österreich jährlich bis zu 6000 Menschen.

Weniger Türkeireisen

Wirtschaftliche Auswirkungen werden für die Türkei befürchtet. Nicht zuletzt als Folge der Vogelgrippefälle dort dürfte nach Schätzungen des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT) die Zahl der deutschen Türkei-Urlauber um 15 bis 20 Prozent sinken. Auch österreichische Veranstalter wie Gulet oder Bentour klagen über zweistellige Buchungsrückgänge. Der Karikaturenstreit habe für die Österreicher dabei keine Bedeutung. In Deutschland rechnet man dagegen damit, dass dieser der Türkei noch weitere Verluste bringen könnte.

Kostenlose Stornos für Frühbucher etwa nach Rügen oder in die Türkei gibt es vorerst nicht: Die Vogelgrippe gilt derzeit weder als Naturkatastrophe noch als höhere Gewalt - also kein Stornogrund. (afs, red, AP, AFP/DER STANDARD; Printausgabe, 8.3.2006)

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