Pro & Contra: Frauentag

8. März 2006, 20:38
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Keine gute Story - Oder: Falsche Festgäste

Keine gute Story - "Pro" Frauentag von Johanna Ruzicka

Frauenthemen sind fade Themen. Sie geben medientechnisch nicht viel her, sind nicht sexy (jawohl!) und sie verfügen in der Regel nicht über das Breaking-News-Prinzip, nach dem alle Medien ticken. Berichtet wird nämlich, was neu ist: Vogelgrippe bei einer Katze in Graz. Teheran lenkt im Atomstreit ein. Oscar-Verleihung in Los Angeles.

All die Frauenthemen rund um strukturelle Ungerechtigkeiten, krasse wirtschaftliche Ungleichgewichte, Ausbeutung und so weiter und so fort haben den entscheidenden Nachteil, dass sie schon endlos andauern und deshalb scheinbar eh bekannt sind. Dass sie durch dieses Nichtaufgreifen erst recht unsichtbar werden und dann nur in den braven Seminararbeiten von Politikwissenschaftsstudentinnen thematisiert werden, ist Teil des Problems.

Lediglich am Frauentag kramen die Redaktionen diese Themen hervor - anlassbezogen sozusagen -, um, nebenbei bemerkt, auch festzustellen: Hey, die geben ja doch was her, die Geschichten.

Denn die im Dunkeln sieht man nicht, stellte Bert Brecht in der Dreigroschenoper fest. In Anlehnung dazu würde man sich mehr Tage für unterdrückte Themen wünschen und weniger Breaking-News-Berichterstattung. Etwas mehr Schlaglicht auf das, was zu wenig wahrgenommen wird und deshalb medial unsichtbar ist, tut einer privilegierten Gesellschaft mit vielen privilegierten Frauen (danke, übrigens) nur gut.

Weil sie also Wirkung haben, haben Tage wie dieser Berechtigung. Und der Kalauer, dass diverse Haustiere - und Frauen auch - alle Jahre wieder ihre Gedenktage haben, der war noch nie gut.

Falsche Festgäste - "Contra" Frauentag von Irene Brickner

Der Internationale Frauentag hat das unzweifelhafte Verdienst, einmal jährlich Frauenthemen in den Vordergrund zu rücken - was nur für jene peinlich ist, die das sonst selten bis nie tun. Aber er bietet auch Anlass für viel falsches "Zeichensetzen" und ebensolches Selbstlob. Und genau darin liegt das Problem, weil dadurch die gesamte Feierei zum Alibi verkommt.

Nichts als große Pose ist es zum Beispiel, wenn ganz normale (also männerdominierte) Unternehmen am 8. März für einen Tag die lieben Kolleginnen an die Ruder lassen. So geschehen - wenn auch mit Abweichungen, die dem nicht überraschenden Mangel an weiblichem Personal geschuldet waren - in einer Zeitungsredaktion. Eine dem Grundgedanken der Weiberfasnacht würdige Geste, die die Absichten der Frauentagsausruferinnen aus dem Jahr 1911 völlig vergessen lässt.

Den Frauen um die Sozialistin Clara Zetkin war es darum gegangen, die Ausbeutung werktätiger Frauen zu beenden. Diese Ausbeutung äußert sich heutzutage - um in Österreich zu bleiben - vor allem in der weit auseinander klaffenden Mann-Frau-Lohnschere und in der Unvereinbarkeit von Beruf und Kinderkriegen: Beides notorische Probleme, für die es Abhilfe gäbe, etwa indem mehr Vollzeitarbeitsplätze für Frauen geschaffen oder passende Kinderbetreuungsstrukturen aufgebaut würden.

Doch die derzeit verantwortlichen Politiker unternehmen hier wenig Zielführendes. Umso lauter preisen Maria Rauch-Kallat, Ursula Haubner und Co bei Frauenmessen und Pressekonferenzen zum 8. März ihre Taten - womit ein gewisser abgestandener Geruch den heurigen Frauentag umweht. Es wirkt abgedroschen, aber es stimmt: Diesem Tag und seinen Festgästen täte dringend frischer frauenpolitischer Wind Not. (DER STANDARD, Print, 8.3.2006)

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