Streit um Autobahnen auf Mallorca und Ibiza

8. März 2006, 19:30
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Erster Erfolg der tausenden Inselbewohner, die sich gegen das "Zubetonieren" von Mallorca und Ibiza stemmen

Erster Erfolg der tausenden Inselbewohner, die sich gegen das "Zubetonieren" von Mallorca und Ibiza stemmen: Die Regierung verzichtete wenigstens auf eines der Autobahnprojekte. Naturschützer protestieren weiter.

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Den konservativen Chef der Balearenregierung, Jaume Matas, hat die Bauwut gepackt. Er will die Infrastruktur Mallorcas und Ibizas ausbauen - "ohne Angst und schnell." Geplant sind dutzende Kilometer Autobahn, 20 neue Golfplätze und ein Dutzend Yachthäfen, samt Hotel- und Apartmentanlagen.

Auf Mallorca soll eine neue Autobahn die Hauptstadt Palma mit der Nordspitze der Insel verbinden. In Ibiza soll eine Schnellstraße die Insel in zwei Teile trennen. Ihr Ziel: den Inselflughafen direkt mit der zweitgrößten Stadt Sant Antoni zu verbinden.

"Die Inseln werden in Asphalt und Beton ersticken", befürchtet Miguel March vom Bündnis "Autopistas - No", das seit Monaten Proteste organisiert. Auf Ibiza waren Anfang März rund 20.000 der 110.000 Inselbewohner gegen die Autobahn auf den Beinen, auf Mallorca waren es vor wenigen Wochen 50.000 der 950.000 Einwohner. "Auf den Inseln hat es noch nie so große Demonstrationen gegeben", berichtet March zufrieden.

Die Proteste zeigen erste Erfolge. Der Inselrat von Mallorca hat am Montag ein besonders umstrittenes 29 Kilometer langes Teilstück zwischen den Städten Inca und Manacor im Innern Mallorcas (siehe Grafik oben) aus dem Bauplan genommen. Das restliche Autobahnnetz ist allerdings weiter im Ausbau.

Viele Enteignungen

Die Autobahnen werden vor allem auf Ibiza bisher unberührte Landschaften zerstören. Dort müssen mehr als 500 Fincas enteignet und mehrere Dutzend Häuser abgerissen werden.

Die Konservativen versprechen sich von den neuen Straßen viel. Denn die Hauptsektoren der Inselökonomie sind Tourismus und Bauwirtschaft. Und in beiden sind die Mitglieder von Matas konservativer Volkspartei (PP) nicht zu knapp vertreten.

Bekanntestes Beispiel ist Abel Matutes, der unter José María Aznar Außenminister war, und später den Posten eines EU-Kommissars innehatte. Seiner Familie gehört eine der größten Hotelketten Spaniens, und sie ist an mehreren Baufirmen beteiligt.

Zudem ist Matutes Tochter Estela im Inselrat von Ibiza für Bau und Infrastruktur zuständig. Einer der väterlichen Betriebe verdient am Bau der Inselautobahn gehörig mit.

Auch die Umweltschützer streiten nicht ab, dass einige Straßen auf den beiden Inseln verbessert werden müssen. Schließlich haben die Balearen mit 940 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner eine Quote so hoch wie sonst nirgends auf der Welt. Schuld daran ist unter anderem die riesige Mietwagenflotte für die Touristen.

"Doch wir können nicht einfach das Autobahnkonzept des Kontinents auf kleine Inseln anwenden", sagt March. "Das Problem ist nur mit einem Ausbau des öffentlichen Verkehrs in den Griff zu bekommen." March würde die Autobahnmillionen lieber in Zuglinien investiert sehen.

Prominenter Zuspruch

Die Autobahngegner bekommen auch von Prominenten, wie dem Regisseur Roman Polanski und dem Versandhauschef Michael Otto Unterstützung. Sie sprachen sich in einer Zeitungsanzeige gegen den Autobahnbau aus.

Auch der deutsche Softrocker Peter Maffay warnte in einem Interview mit der Wochenzeitung Mallorca Magazin vor den Folgen "einer völlig entgleisten Vision einiger weniger." Maffay befürchtet, den Baleareninseln drohe ein ähnliches Schicksal wie der Mittelmeerküste des spanischen Festlands, die "von Norden bis Süden zugebaut" ist.

"Wenn diese Entwicklung anhält, glaube ich nicht, dass ich große Lust habe, hier alt zu werden", sagt der Musiker, der die Inseln seit mehr als 30 Jahren kennt. Er sagt, die Liste derer, die Mallorca und Ibiza endgültig den Rücken kehren, würde von Tag zu Tag länger. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD; Printausgabe, 8.3.2006)

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