Masterplan zum Wiedereinstieg

7. März 2006, 18:49
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Kontakte knüpfen, Veränderungen realisieren, am Ball bleiben: Für den beruflichen Wiedereinstieg nach der Karenzzeit gilt es vorzusorgen

"Das betrifft vor allem Frauen direkt nach der Karenz", bestätigt Hilde Stockhammer die gängigste Definition beruflicher Wiedereinsteigerinnen, "aber auch Frauen, die bereits eine viel längere Zeit weg vom Markt sind." Wobei diese Gruppe kleiner werde, weil die Rückkehr in den Job zunehmend nicht erst angegangen wird, "wenn die Kinder 15 sind", ergänzt die Leiterin der AMS-Abteilung Arbeitsmarktpolitik für Frauen. Mütter werden beim AMS grundsätzlich "schon während des Kindergeldbezuges beraten", in enger Zusammenarbeit mit den Frauenberatungsstellen.

"Wie sieht der Markt aus, was hat sich in meinem Bereich verändert, wie kann ich Kontakte knüpfen und mich positionieren?", fasst Andrea Sanz von der BeraterInnen- gruppe Naschmarkt knapp zusammen, was sich Wiedereinsteigerinnen an Information erwarten. Sie fördere vor allem das Networking, weil Frauen, "die ausschließlich mit der Rolle der Mutterschaft beschäftigt sind, wenig Anerkennung auf anderen Ebenen bekommen". Durch die Zusammenführung mit Frauen in Management-Positionen "liefern wir Strukturen".

Besonders schwer beim Wiedereinstieg haben es der Beraterin zufolge "Frauen, die schon ein freiberufliches Standbein hatten". Oft komme es im Zuge der Kinderbetreuung erst zu einer Vernachlässigung der Selbstständigkeit, und schließlich werde das Ganze "mehr oder weniger aufgegeben". Da die Meinung verbreitet sei, dass "Mutterschaft und Selbstständigkeit unvereinbar ist", werde später eine Anstellung angestrebt.

Die größten Hürden sieht Sanz für Alleinerzieherinnen: "Das kann vom Zeitmanagement her zum Wahnsinn werden, und in weiterer Folge kommt auch nur ein Teilzeitjob infrage." Was sich wiederum auf die Finanzen auswirke und die Auswahl an Kinderbetreuungsstätten weiter einschränke. Ein Teufelskreis.

Abwärtspirale Auszeit

Dass mit der Abstinenz vom Arbeitsmarkt das Selbstwertgefühl und die Chancen auf einen Arbeitsplatz sinken, bestätigt die Leiterin der Aus-und Weiterbildung beim Wiener Wifi, Andrea Martinschitz. Sie nennt es eine "Spirale nach unten". Neben den drei gefragtesten Wifi-Programmen für Wiedereinsteigerinnen - abgedeckt werden die Bereiche der kaufmännischen, der gewerblichen und der sozialen Berufe - führe man mit dem AMS Qualifizierungen auf fachlicher und persönlicher Ebene durch.

Leider, meint Martinschitz, hänge die Chance auf den erfolgreichen Wiedereinstieg auch vom Alter ab: "Je jünger, desto besser." Vor allem in Büros, wo die Konkurrenz "durch EDV-mäßig sehr gut ausgebildete Schulabgänger" enorm ist. Trotzdem gelte es - auch, wenn es "nach Gemeinplatz klingt" -, immer den Einzelfall zu betrachten. "Was sich für die eine Wiedereinsteigerin als Nachteil herausstellt, kann für eine andere ein entscheidender Vorteil sein."

Im Übrigen sollte man vorausplanen und bereits "vor dem Eintritt in die Karenz mit dem Arbeitgeber ein Szenario für die Zeit des Wiedereinstiegs" festlegen.

Dieser Ansicht ist auch der Geschäftsführer des Wiener Berufsförderungsinstituts (bfi), Herwig Stage. Mit Verweis auf sein eigenes Unternehmen schickt er voraus, "dass wir Frauen nach der Karenz selbstverständlich wieder einstellen. Es gibt keinen einzigen Fall, in dem wir uns getrennt hätten." Natürlich müsse er den Untersuchungen der Arbeiterkammer (AK) Recht geben, wonach viele Betroffene nur in Teilzeitjobs unterkämen. Allerdings: "Viele wollen auch gar keine Vollzeitanstellung, und da kommen wir natürlich sowohl beim Arbeitsausmaß als auch bei der Einteilung der Arbeitszeit entgegen."

Das bfi-Angebot für Wiedereinsteigerinnen umfasst indes zwei Programme. "Einen Spezialkurs im Auftrag der AK" sowie das "waff nova basic" in Kooperation mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff). Dabei wird über neun Wochen zu jeweils zehn Stunden auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet. Denn wenn man sich einmal "wirklich für zwei Jahre oder länger vom Markt verabschiedet hatte, dann ist da schon einiges gelaufen". Weshalb Stage empfiehlt, während der Auszeit "nicht voll abzuschalten, sondern den Kontakt zum Arbeitgeber aufrechtzuhalten". (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Print, 8.3.2006)

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