Ali Farka Touré 1939-2006

13. März 2006, 20:44
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Zum Tod des großen afrikanischen Wüstenblues- und Weltmusikvaters aus Mali

Bamako/Wien - 2003 wurde Ali Farka Touré ganz ohne Wahlkampf einzig aufgrund der öffentlichen Nachfrage zum Bürgermeister seines Heimatortes Niafunke, einer Kleinstadt am südlichen Rand der Sahara in Mali, gewählt. Deshalb waren von da an und wohl auch wegen einer bald darauf auftretenden Knochenkrebserkrankung die Auftritte außerhalb seiner näheren Heimat dünn gesät. Zuletzt gastierte Ali Farka Touré im Jänner 2005 in Europa, anlässlich eines umjubelten Konzerts in Brüssel.

Außerdem hatte der 1995 wegen seiner Zusammenarbeit mit dem US-Gitarristen Ry Cooder auf dem Album Talking Timbuktu und heuer für das gemeinsam mit seinem "Schüler" Toumani Diabaté eingespielte Duett In The Heart Of The Moon mit zwei Grammys geehrte "Pate des afrikanischen Blues" als Vater von elf Kindern und einer Großfamilie auch Besseres zu tun.

Ali Farka Touré im Jänner 2005 im STANDARD-Interview: "In erster Linie bin ich Bauer. Man kann mit leerem Magen keine gute Musik machen!"

Insofern setzte der Mann, der die westliche Gitarre in die Musik Malis einführte, mit traditionellen Instrumenten kombinierte und damit sehr zu seinem Missfallen angeblich den tiefen, modalen Countryblues eines John Lee Hooker aus dem US-Süden "heim" nach Afrika führte ("Afroamerikaner sind vom Baum des Lebens abgefallene Blätter!"), auch einen Kontrapunkt zu gängigen westlichen Rezeptionsmustern:

"Meine Lieder handeln von Geschichte, Tradition, Landwirtschaft, Arbeit, Liebe, Spiritualität, meinem muslimischen Glauben und dem Fischen. Und sie handeln davon, wie man mit seiner Rolle als Musiker verantwortlich umgeht. Meine Songs handeln von Erziehung. Künstler sein heißt Lehrer sein!"

Beseelte Musik zwischen Archaik und Moderne. Am Dienstag ist Ali Farka Touré seiner langen Krankheit 66-jährig erlegen. (schach/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 3. 2006)

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