Zwei Frauen

7. März 2006, 18:21
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Kommentar der anderen zum Eindringen in Männerbastionen - von Peter Filzmaier

Heute ist Weltfrauentag. In der Politik stehen trotz sechs Ministerinnen momentan zwei SPÖ-Vertreterinnen für das Eindringen in Männerbastionen. Kärntens Gaby Schaunig ist als Konkurrentin Jörg Haiders in aller Munde. Hinzu kommt ein Jubiläum ihrer Namensschwester: Die Salzburger Landtagswahl, wo Gabi Burgstaller triumphierte, jährt sich zum zweiten Mal.

Noch ist offen, ob Schaunig spätestens 2009 ebenfalls Landeshauptfrau wird. Auch sind beide in ihrem politischen Auftreten unterschiedlicher als in den Medien dargestellt. Trotzdem ergeben sich drei Ähnlichkeiten:

1. Als Chef eines Bundeslandes war man bislang entweder ein gewichtiger Fürst, der einen mehr oder minder aufgeklärten Absolutismus praktiziert. Jörg Haider, Michael Häupl und Herwig van Staa machen das in der polternden Version, Erwin Pröll oder auch Franz Voves können laute und leise Töne geschickter variieren. Oder frau agierte als Landesmutter - siehe Waltraud Klasnic. Sie wollte sich um jede Sorge der Bürgerkinder bis hin zum abgerissenen Hosenknopf persönlich und liebevoll bemühen.

Weder Burgstaller noch Schaunig passen in das letztgenannte Klischee. Sie verstehen es, Willensstärke und Herzlichkeit im jeweils passenden Ausmaß zu verbinden. Für die Konkurrenz macht das die Sache schwierig, weil standardmäßige Gegenstrategien - "Machtrausch" bei den Möchtegern-Monarchen, "übersensibel und führungsschwach" bei den Kümmerinnen - untauglich sind.

2. Eine weitere Gemeinsamkeit ist ihre Fähigkeit, die Rolle der Außenministerin eines Bundeslandes neu zu interpretieren.

Jede/r Landespolitiker/in ist Vertreter seiner Heimat, doch viele männliche Berufskollegen beschränken sich auf die Überhöhung des Regionalstolzes. Die Folge ist das Einprügeln auf einen tatsächlichen oder konstruierten Feind jenseits der Landesgrenze. "Wir gegen Wien!" und "Wien gegen Brüssel!" wechseln vor allem im Westen und Süden einander ab. Die roten Hoffnungsträgerinnen schaffen es fast immer, mit viel Natürlichkeit als energische Repräsentantinnen ihrer Heimat zu erscheinen, ohne sich überall sonst unbeliebt zu machen.

3. Vor allem stehen Burgstaller und Schaunig für einen trotz aller Härte und Konsequenz sympathischeren Politikstil. Das beginnt bei der Wahrheitsliebe - wenn beide bekunden, in ihrem Bundesland zu bleiben, klingt das unüblich glaubwürdig -, und endet beim Verzicht auf Verbalinjurien und Untergriffe. Das kommt an, weil die Österreicher a) traditioneller Parteipolitiker überdrüssig sind, und b) eine große Sehnsucht nach Volksvertretern anderen Typs haben. Bundespolitisch sichern Burgstaller und Schaunig der SPÖ damit erheblichen Mehrwert.

Insbesondere städtische Frauen bis Mitte 40 sind eine Schlüsselwählergruppe. Einstweilen punkten unter ihnen die Grünen und sogar BZÖ-Ministerin Gastinger, weil sie ein Vakuum nützen. Auf Bundesebene verfügt die SPÖ selbst nicht gerade über breitenwirksame Strahlefrauen, während die FPÖ sich ohnedies als Männerpartei definiert.

Die ÖVP schwächelt beim angeblich schwachen Geschlecht. Maria Rauch-Kallat ist es nicht gelungen, als Frauenministerin wahrgenommen zu werden. Von Frau Gehrer ganz zu schweigen. Liese Prokop verfügt über sehr gute Imagedaten, das jedoch nicht frauenspezifisch. Ursula Plassnik hätte Potenzial, will aber mit dem politischen Wettbewerb wenig zu tun haben. Daher werden vielleicht Burgstaller und Schaunig im Mittelpunkt des Nationalratswahlkampfes stehen. (DER STANDARD, Print, 8.3.2006)

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