"Echt lustig!": Politisch korrekte Pannen

27. März 2006, 15:58
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In "Echt lustig!" verwertet der ORF prominente und private Missgeschicke aus dem Archiv

Kind. Rodel. Baum. Oder: Braut. Schleppe. Stufen. Aber auch: Dicke Frau. Luftmatratze. Wasser. Drei Situationen, eine erwünschte Wirkung: Mögen sie fallen! Und zwar möglichst dicht vor dem Kameraauge.

Knapp 20 Jahre nach "Hoppala" sorgt der ORF ab Mittwoch Abend wieder für Spaß durch Schadenfreude: Diesmal stimmt Viktor Gernot (Bild) vorerst fünfmal Fußballfreunde 20 Minuten vor Anpfiff von Champions-League-Spielen ein. "Echt lustig!" nennt sich die Mischung aus Prominentenpatzern, "Versteckte Kamera"-Gags und privaten Pannen. Zum Gelingen trägt das Publikum bei: Stolpervideos werden gerne angenommen.

Angewiesen sei man auf die allerdings nicht unbedingt, berichtet ein Pressesprecher. Die Archive seien aus Peter Rapps Zeiten prall gefüllt. Dass irgendwann zugekauft werde, schließt er nicht aus.

ORF geht auf Nummer sicher

Mit der Pannenshow geht der ORF auf Nummer sicher. Derzeit lacht sich Nachbar Deutschland über private Peinlichkeiten schief: Shows auf RTL, RTL 2, Super RTL und Kabel 1 erfreuen sich großen Zuspruchs. Die Videos stammen zum Teil aus den USA: Bei Disney sind "Hoppalas" en gros zu haben. Begehrter sind neue Missgeschicke: Bis zu 200 Euro sind die den Sendern wert, inklusive "zeitlich, örtlich und inhaltlich uneingeschränkter" Ausstrahlungsrechte. Vom ORF gab es dazu keine Auskunft.

"Sehr kurzlebig", schätzt man bei ATV+ die momentane Freude am Sturz ein und verweigert das Mitmachen. Schon jetzt würden bestimmte Heimvideos am Wiedererkennungseffekt leiden. Zudem erregen die Pannen die Gemüter: Einen Hund so lange an den Ohren zu ziehen, bis er Zähne zeigt, finden nicht nur Tierschützer kaum witzig. "Vorhersehbar, billig und niveaulos", kommentierte der Spiegel. Der ORF verspricht politisch korrekte Pannen. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2006)

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    foto: orf/hans leitner
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