Emissionshandel mit Russland stockt

28. März 2006, 19:40
posten

Reger Handel mit Zertifikaten wäre möglich, das Land hat jedoch bisher kaum Voraussetzungen dafür geschaffen

Dank des Kioto-Protokolls könnte Russland einen regen Handel mit Emissionszertifikaten betreiben. Den Industriestaaten ist es nämlich erlaubt, bei Überschreitung des Emissionslimits auch Quoten von jenen Ländern zu erwerben, die die Umweltvorschriften übererfüllen. Und in Russland sind die Emissionen durch die Krise der Industrie nach dem Ende der Sowjetunion drastisch gefallen.

Mit den Erträgen wären Strukturreformen, Energiesparmaßnahmen und eine Modernisierung der ineffizienten Energieanlagen zu finanzieren. Die EU-Kommission errechnete drei Milliarden Euro jährlich. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wären von 2008 bis 2012 Einnahmen sogar bis zu 30 Mrd. Dollar möglich.

Interesse bei Großbetrieben

Russlands Großbetriebe signalisieren Interesse und haben teils bereits Konsulenten eingestellt und Abteilungen für den Emissionshandel eingerichtet. So etwa Russlands Stromriese RAO EES oder Gasmonopolist Gasprom, die gemeinsam über 50 Prozent der russischen Treibhausgase produzieren. "Wir sind intensiv am Emissionshandel interessiert", sagte Andrej Gorkov, Leiter der Abteilung für Emissionshandel bei RAO EES im Dezember. Seine Abteilung sucht ausländische Unternehmen oder Staaten, die auf einen solchen Handel aus sind.

Im Juni wurde der erste Deal mit der Umweltschutzagentur von Dänemark ausgehandelt. Dänemark zahlt die Erneuerung einer Gasverbrennungsanlage in einem Kraftwerk der RAO EES im fernöstlichen Chabarovsk. Auch in Südrussland wird die Erneuerung eines Gaskraftwerkes bezahlt. Österreichische Firmen bekunden ebenso Interesse.

Regierung tagt

Jedoch steckt der Karren, da Russland bisher kaum Voraussetzungen für den Handel mit Emissionsquoten geschaffen hat. Die im Kioto-Protokoll vorgeschriebene rechtliche Basis fehlt. Für das Monitoring-System und die Mechanismen zur Registrierung und Kontrolle der Emissionen hat die Regierung dem Vernehmen nach die Richtlinien immerhin vorgelegt. Gänzlich fehlen sie bei der so genannten Joint Implementation.

Am 16. März stehen diese Punkte auf der Tagesordnung der russischen Regierung. Insider sehen die Chancen auf einen Durchbruch bei 50:50. Der EU wurde jedenfalls Interesse signalisiert. Am Montag lud das russische Wirtschaftsministerium EU-Vertreter zur Diskussion über Kooperationsmöglichkeiten ein. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.3.2006)

Share if you care.