Rheumamedikamente: Schmieren statt schlucken!

14. März 2006, 15:13
3 Postings

Cremen, Salben und Pflaster mit schmerz- und entzündungshemmenden Mitteln haben kaum Nebenwirkungen

Saalfelden - Die Basis jeder Rheumatherapie sind weiterhin die so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure etc. Sie hemmen Entzündungen und lindern Schmerzen. Doch hoch dosiert in Tablettenform können sie schwere Nebenwirkungen haben. Ein Ausweg sind Cremen, Salben und Pflaster mit solchen Substanzen.

"Schmieren statt schlucken!", kann für manche Patienten die Devise lauten, erklärten Fachleute am Montag bei der 39. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden (bis 10. März).

Die Tagung steht unter dem Motto "Rheuma". Und bei der Behandlung der Patienten mit Krankheiten wie Arthrose, Weichteilrheumatismus und vielen anderen der 400 rheumatischen Leiden kommt der Schmerz- und antientzündlichen Behandlung eine enorme Rolle zu.

Hätte die Medizin die nichtersteroidalen Antirheumatika nicht mehr, wäre sie in der Schmerztherapie wieder in der "Steinzeit". Doch, so Univ.-Prof. DDr. Manfred Herold von der Klinischen Abteilung für Innere Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck: "Sie haben auch Nebenwirkungen, auf den Magen-Darmtrakt. Es kann zu Leber- oder Nierenschädigungen und Blutbildveränderungen kommen."

"Es gibt einen Trick"

Doch während Ärzte diese Medikament oft ausschließlich in der schluckbaren und somit auf den ganzen Körper wirkenden Form verschreiben, existiert durchaus einen Ausweg. Der Experte: "Es gibt einen Trick, den man nur anwenden muss. Probieren wir es 'topisch' (in lokaler Anwendungsform, Anm.). Der einzige Fehler dieser Therapieform liegt darin, dass die Patienten es eben richtig machen müssen."

Trägt man die seit Jahrzehnten bekannten nichtsteroidalen Antirheumatika auf die Haut auf, werden sie oft zu seinem hohen Anteil durch sie aufgenommen und kommen in das benachbarte Gewebe: Aceclofenac wird beispielsweise zu 74,5 Prozent resorbiert, Aspirin zu 16,9 Prozent, Diclofenac zu 9,1 Prozent, Ibuprofen zu 23 Prozent und Ketoprofen zu 43,9 Prozent.

Wie gut die lokale Anwendung der herkömmlichen Antirheumatika in der Form von Cremen, Salben oder in Pflastern wirkt, bewiesen Chirurgen. Sie behandelten auf diese Weise Rheumapatienten vor chirurgischen Eingriffen an den Fingergelenken. Dabei maßen sie die Konzentration von Diclofenac nach vierfacher Anwendung vor der Operation.

Viel im Gewebe, nichts im Blut

Der Innsbrucker Spezialist Univ.-Prof. DDr. Manfred Herold bei der Fortbildungswoche der österreichischen Apotheker: "Im Blutplasma war faktisch kein Diclofenac feststellbar. In der Gelenksflüssigkeit und im Gelenksgewebe wurde hingegen eine Konzentration entdeckt, welche der Tagesdosis in oraler Form (Kapseln, Tabletten, Anm.) entsprach."

Der große Vorteil laut dem Experten: "Es gibt keine gefährlichen Intoxikationen und keine systemischen Nebenwirkungen (auf den ganzen Körper, Anm.)."

Damit die lokale Anwendung solcher Mittel auch einen entsprechenden Effekt hat, müssen sie aber richtig angewendet werden. Herold: "Sie eigenen sich die Anwendung zum Beispiel an einzelnen Gelenken. Und sollten mehrmals täglich verwendet werden."

Wenn Menschen Dutzende schmerzende Gelenke haben, muss man eine systemische Gabe ins Auge fassen. Doch für begrenzte Anwendung kann das eine gute Alternative sein. Der Experte: "Die topische Anwendung der nichtsteroidalen Antirheumatika wirkt aber auch am Knie- oder dem Schulergelenk, beim Hexenschuss und vielen anderen rheumatischen Erkrankungen und bei einfachen Sportverletzungen wie Zerrungen und Prellungen." (APA)

Share if you care.