Klien: "Da muss ich alles optimieren"

12. März 2006, 23:59
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Des Vorarlbergers dritte Saison beginnt am Freitag in Bahrain und sie startet mit neuen Regeln, neuen Motoren und mehr - Der Red-Bull-Pilot im STANDARD-Interview

Standard: Man hört, der neue Bolide bereitet Probleme. Welcher Art sind die, und was ist ihre Ursache?

Klien: Es gab noch im Jänner Probleme mit der Kühlung, deshalb mussten wir das Auto praktisch neu designen. Dieser Monat fehlt uns, wir bekamen Probleme mit der Kupplung, und Renndistanzen haben wir noch nicht wirklich abfahren können. Dazu fehlt uns die Standfestigkeit.

Standard: Das heißt, es wäre ein Erfolg, wenn Red Bull die Zielflagge sieht? Hat man sich vom neuen Ferrari-Motor nicht mehr erwarten können?

Klien: Der Motor ist grundsätzlich gut. Die Frage ist, ob er bereits, wie es vorgeschrieben ist, zwei Rennwochenenden hält. Natürlich wollen wir voll reingehen und vom ersten Qualifying an aufzeigen.

Standard: Was verstehen Sie unter Mithalten, wie lauten Red Bulls und Ihre Ziele für diese Saison?

Klien: Wir wollen regelmäßig unter die ersten Acht kommen, sensationell wäre es, wenn wir einen ersten Podestplatz schaffen. Ich persönlich will den David Coulthard noch mehr ärgern als vergangene Saison, ihm den Status der Nummer eins im Team streitig machen. Es tut mir gut, dass ich einen Fixplatz habe, das ständige Rotieren im letzten Jahr hat unnötigen Druck mit sich gebracht.

Standard: Etliche Fahrer klagen darüber, dass die neuen V8-Motoren einen neuen Fahrstil erfordern. Wie groß sind die Unterschiede wirklich?

Klien: 200 PS weniger machen natürlich etwas aus. Du musst in der Kurve früher auf dem Gas sein, mehr Schwung mitnehmen. Ansonsten geht die Entwicklung so rasant weiter, dass wir fast wieder dieselben Rundenzeiten wie 2005 erzielen – auch weil wir weichere Reifen aufziehen können, die nur zwanzig statt sechzig Runden halten müssen.

Standard: Ex-Weltmeister Michael Schumacher sagt, er würde sich gerne vom "Ex" verabschieden und wieder mit dem Beinamen Weltmeister schmücken. Wie beurteilen Sie seine Chancen, hat Ferrari mit dem Motor nicht ähnliche Probleme wie Red Bull?

Klien: Für Schumacher wird's hart. Und wenn er nicht von Anfang an vorn dabei ist, wird er kaum um den Titel mitstreiten können. Vom Auto her ist Ferrari sicher wieder besser geworden, das große Handikap sind und bleiben die Bridgestone-Reifen.

Standard: Wen sehen Sie an der Spitze?

Klien: Alonso hat die besten Karten, am ehesten werden wohl Honda und McLaren- Mercedes mit Renault mithalten können, das haben die Tests gezeigt. Gut möglich, dass Räikkönen wieder der erste Herausforderer ist.

Standard: Sie haben Ihren Wohnsitz in die Schweiz verlegt – aus Steuergründen?

Klien: Ich war ja fast an der Grenze daheim, bleibe in der Gegend – steuerlich kein Nachteil. In der Formel 1 hab ich nur eine gewisse Zeit, in der ich gut verdiene, da muss ich alles optimieren. In der Schweiz zahle ich viel weniger Steuern als in Österreich.

Standard: In einer Vorarlberger Discothek sollen Sie vor Kurzem in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein. Was war oder ist da dran?

Klien: Ich war in dieser Disco, das stimmt, sonst stimmt gar nichts. Ich war in gar nichts involviert, und es hat auch keinen einzigen Zeugen gegeben. Da sind völlig falsche Infos geflossen, jeder gibt was dazu, und schon setzt sich ein Puzzle zusammen. (DER STANDARD Printausgabe 8. März 2006)

ZUR PERSON:

Christian Klien, 23 und aus Hohenems, gibt seit 1996 Gas (Kart, Formel BMW, Formel Renault, Formel 3), wird seit 1997, von Red Bull unterstützt. Seit 2004 in der Formel 1 (zunächst Jaguar, dann Red Bull Racing).

Fritz Neumann befragte Christian Klien.
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    "200 PS weniger machen natürlich etwas aus"

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