Peres: Israel darf Abbas nicht hängenlassen

9. März 2006, 13:30
1 Posting

"Überzeugt, dass wir ihn unterstützen müssen"

Tel Aviv - Der israelische Ex-Premier und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres hat dazu aufgerufen, dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas weiter zu unterstützen. Auch bei einer Hamas-Regierungsübernahme dürfe Israel Abbas und die moderaten Kräfte unter den Palästinensern nicht fallen lassen, sagte der zur neuen Kadima-Partei gewechselte Ex-Vorsitzende der Arbeiterpartei am Dienstag in einem Reuters-Interview. Zugleich warnte der 82-Jährige die internationale Gemeinschaft davor, Finanzhilfen direkt an eine Hamas-Regierung zu leisten. Damit werde den Extremisten nur dabei geholfen, sich in den palästinensischen Institutionen festzusetzen.

Außenministerin Tzipi Livni hatte erklärt, Abbas sei "irrelevant" geworden und ihn als mögliches "Feigenblatt für eine Terrorbehörde" bezeichnet. Interims-Regierungschef und Kadima-Chef Ehud Olmert hatte sich von den abwertenden Aussagen Livnis über den palästinensischen Präsidenten distanziert und die Hoffnung ausgedrückt, dass dieser im Amt bleibe. Verteidigungsminister Shaul Mofaz meinte, die Palästinenser versuchten, "eine Führung mit zwei Köpfen herauszubilden: Hamas auf der einen, Abbas auf der anderen Seite. Das können wir nicht akzeptieren".

"Nicht so tun, als wären alle Extremisten"

Wenn Israel Abbas seine Unterstützung entziehe, dann überlasse es die Palästinenserbehörde den Extremisten, warnte Peres in dem Interview. "Ich bin überzeugt, dass wir ihn unterstützen müssen, weil wir nicht die moderaten 50 Prozent der Palästinenser aufgeben und so tun können, als ob alle Extremisten wären." Israel müsse abwarten, in welchem Maße Abbas die Kontrolle behalte, wenn die Hamas-Regierung im Amt sei. "Wir dürfen ihn nicht abhaken. Ich bin dagegen, jemanden mit dem Rücken gegen die Wand zu treiben."

Peres bekräftigte die Forderung, eine Hamas-Regierung von internationalen Hilfen abzuschneiden. Zugleich schlug er vor, dass Israel und die internationale Gemeinschaft gezielt Projekte zur Förderung der palästinensischen Wirtschaft finanzieren könnten. Als Beispiel nannte er den Aufbau von Industriegebieten. Damit könnten Arbeitsplätze geschaffen und verhindert werden, dass das palästinensische Volk unter der Kürzung der Hilfen leide. Peres hatte als Außenminister den Friedensnobelpreis 1994 zusammen mit dem später ermordeten Premier Yitzhak Rabin und dem Vorgänger von Abbas, Yasser Arafat, für die israelisch-palästinensischen Oslo-Verträge bekommen. Sechs Jahre später brach der Verhandlungsprozess zusammen und die Palästinenser begannen einen neuen Aufstand, die zweite Intifada, an deren Spitze die 1987 gegründete Hamas stand. (APA/Reuters)

Share if you care.