VW dank Sparkurs mit besseren Zahlen

27. März 2006, 13:10
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Die Führungsfrage bei Volkswagen bleibt offen, der Sanierungskurs fix - Europas größter Autobauer hadert mit Produktivität, USA, China und Chefdiskussion

Bernd Pischetsrieder wählte eine abgehangene Verteidigungsstrategie: Auf die Frage, warum er angesichts des von seinem Aufsichtsratspräsidenten öffentlich vorgebrachten Zweifel an seinem Verbleib an der Spitze des VW-Konzerns nicht einfach zurücktrete, reagierte der Bayer mit einer Gegenfrage: "Warum sollte ich?" Präsident Ferdinand Piech habe doch versichert, sich für seine Vertragsverlängerung auszusprechen.

Angesprochen auf den Gegenwind von Betriebsratsseite: "Man kann ein Unternehmen nur mit den Mitarbeitern führen, nicht gegen sie." Hintergrund: Laut deutschem Aktienrecht sind Aufsichtsräte paritätisch von Kapital- und Arbeitnehmervertretern besetzt, das Zünglein an der Waage ist in Abstimmungen der Präsident. Bei Volkswagen stehen bald Betriebsratswahlen an, nach den Skandalen des Vorjahres müssen sich die Belegschaftsvertreter nun in Verhandlungen um die Restrukturierung gegenüber dem Vorstand behaupten.

Schwere Verluste bei Seat

Weitere Diskussionen über seinen Vertrag will Pischetsrieder jedenfalls nicht mehr in der Öffentlichkeit führen. Womit noch immer offen ist, wer nun den VW-Konzern wieder fit machen soll. Wobei Teile des Konzerns an ihren Gewinnbeiträgen gemessen recht gesund dastehen: Audi und der Bereich Finanzdienstleistungen. Jedoch: Die spanische Tochter Seat leidet unter Imageproblemen und daraus resultierend schweren Verlusten. Und was noch schwerer wiegt: Die Kernmarke VW hat im Vorjahr gerade einmal ein Nullergebnis geschafft.

Einzelne Werke, vor allem an "Traditionsstandorten" in Norddeutschland, sind in Sachen Produktivität meilenweit von der Konkurrenz entfernt und somit angesichts des Kostendrucks nicht wettbewerbsfähig. Geld verliert VW auch auf manchen Absatzmärkten: massiv in den USA, wo die Rabatte ins Uferlose getrieben wurden, so wie neuerdings auch in China. Trotz allem konnte das Ergebnis um 58 Prozent gesteigert werden. "Es ist aber alles andere als zufrieden stellend", sagt Pischetsrieder, angesichts einer mageren Umsatzrendite vor Steuern von 1,8 Prozent.

Steiniger Weg

Dies alles geschah angesichts gestiegener Auslieferungen und Umsätze: Der Gesamtkonzern setze weltweit 5,2 Millionen Fahrzeuge ab (plus ein Prozent) und setzte 95,3 Mrd. Euro um (plus 7,1 Prozent). Bis 2008 will VW jedenfalls das Ergebnis vor Steuern von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 5,1 Milliarden mehr als verdoppeln. Die Vorstände unisono: Das werde ein steiniger Weg.

Der angekündigte Sanierungskurs – 20.000 wackelnde Jobs, mögliche Verkäufe von Komponentenwerken, Kapazitätsabbau in der Fahrzeugfertigung – wird jedenfalls fortgesetzt, daran ließ der Chef keinen Zweifel. Über konkrete Maßnahmen werde noch mit der Belegschaftsvertretung verhandelt. Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch stellte aber klar: "Ohne eine Restrukturierung ist langfristig ein zukunftsfähiger VW-Konzern undenkbar."

"Lassen uns nicht auseinander dividieren"

Pischetsrieder nahm bei der Bilanz-Pressekonferenz am Dienstag den gesamten Vorstand in die Verantwortung und beschwor den Teamgeist: "Wir lassen uns nicht auseinander dividieren" sagte er zum "angeblichen Machtkampf" um die VW-Spitze mit Martin Winterkorn. Dieser, Audi- Chef und somit auch VW-Vorstandsmitglied, strahlte Pischetsrieder auf dem Podium in Wolfsburg an. Und sagte nichts. (Leo Szemeliker aus Wolfsburg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.3.2006)

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    VW-Chef Pischetsrieder bemühte sich, auf der Jahrespressekonferenz den Eindruck eines Streits mit Aufsichtsratschef Piech zu vermeiden.

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