Bis zu 40.000 Prostituierte im Umfeld deutscher Fußball-WM erwartet

8. März 2006, 20:02
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EU-Parlamentarierinnen warnen vor Welle von Zwangsprostitution und starten Kampagne "Rote Karte für Menschenhändler"

Das EU-Parlament warnt im Zuge des internationalen Frauentages vor einer Welle von Zwangsprostitution im Rahmen der Fußball-WM 2006. Deutsche Behörden erwarten im Umfeld der WM rund 30.000 bis 40.000 Prosituierte. Ein nicht unerheblicher Teil der Frauen werde zu Prostitution gezwungen, beklagte Lissy Gröner, Mitglied der Frauenrechtskommission im Europaparlament, am Dienstag vor Journalisten.

Die sozialdemokratischen EU-Abgeordneten haben am Dienstag eine Aktion gestartet - Motto "Rote Karte für Menschenhändler". Deutschland wird diese Aktion während der WM übernehmen. Die SPÖ-Europaabgeordnete Christa Prets hofft aber noch auf zusätzliche Unterstützung von den Fußballverbänden UEFA und FIFA. Sie plädiert für eine zusätzliche Kampagne "Fair play, fair Sex". "Ich glaube, wenn die Fußball-Fans wissen, dass die Mädchen zur Prostitution gezwungen werden, dann gehen sie nicht hin", sagte Prets.

"Verrichtungsboxen"

Prostitution trete bei sportlichen Großereignissen generell häufiger auf - ebenso wie an Konferenzorten. Bei Fußball-Veranstaltungen, wo punktuell 80.000 Menschen zusammenkommen würden, sei das Problem aber besondern gravierend. Rund um die Stadien würden oftmals eigene Container, so genannte Verrichtungsboxen, eingerichtet.

Die Fußballverbände hätten das Thema bisher verdrängt. "Sie kennen das Problem, wollen aber nur über Fußball sprechen", kritisierten die EU-Parlamentarierinnen. Auch die Spieler hielten sich zurück. Von den deutschen Fußballern aus der Nationalmannschaft habe sich bisher nur der zweite Tormann dazu bereit erklärt, an der Kampagne teilzunehmen. "Wenn Fußballstars werben würden, hätte das natürlich Wirkung", glaubt Gröner.

Kampagnen

Außerdem seien Kampagnen in ganz Europa und vor allem auch außerhalb der EU notwendig, um Mädchen schon in der Schule über die Gefahren zu informieren und um auf der anderen Seite auch die Freier zu sensibilisieren, den Verdacht auf Menschenhandel zur Anzeige zu bringen.

Jährlich, schätzen die Europaparlamentarierinnen, werden 800.000 Frauen werden jährlich Opfer von Menschenhändlern - 100.000 von ihnen kommen aus der Europäischen Union. Genaue Zahlen gibt es nicht. Das EU-Parlament hatte erst im Vormonat die Einrichtung einer europaweiten Datenbank und zusätzliches Personal für die europäische Polizeibehörde Europol für weitere Ermittlungen gegen Zwangsprostitution eingefordert.

Gewalt gegen Frauen sei mittlerweile ein größeres Problem als der Drogenmissbrauch oder Terrorismus. "Für die Terrorbekämpfung steht jedes Geld der Welt zur Verfügung. Das gleiche Engagement bei der Bekämpfung von Menschenhandel wäre angebracht. Diese moderne Form der Sklaverei muss ein Ende haben", so Gröner.

Zusätzliche legistische Maßnahmen gefordert

Außerdem erneuerten die Europaparlamentarierinnen ihre Forderung nach zusätzlichen legistischen Maßnahmen. Vor allem sollen Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, in jedem EU-Land eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. In Belgien etwa darf jede Frau, die sich an eine Hilfsorganisation, an einen Rechtsanwalt oder die Polizei wendet, heute schon drei Monate im Land bleiben, sechs weitere Monate, wenn ein Gerichtsverfahren eröffnet wird und unbefristet, wenn das Gericht sie als Opfer anerkennt. (APA)

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