U4 öffnet wieder seine Pforten

10. März 2006, 20:40
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Conny de Beauclair: "Sicher kein Achtziger-Jahre-Revival" - Will Lücke zwischen "Passage" und "Flex" füllen

Wien - Die wohl legendärste Wiener Discothek öffnet am Donnerstag nach einem Jahr Ungewissheit wieder ihre Türen. Beginnend mit der "Lithium-Rock-Night" soll das frisch renovierte U4 die inzwischen dritte Generation an "Weggehern" an sich binden. "Es wird sicher kein Achtziger-Jahre-Revival, aber es soll schon etwas von dem Flair des alten U4 erhalten bleiben", sagte der beinahe zum Inventar zählende Türsteher des Clubs, Conny de Beauclair, gegenüber der APA.

"Lonely-Player-Status ist vorbei"

Nachdem das U4 in den letzten Jahren vor seiner Schließung nur mehr vor sich hin dümpelte, haben die Veranstalter rund um Marcus Wild dieses Mal viel vor - auch wenn sie sich bewusst sind, dass das Lokal nicht von seinem Ruf alleine leben können wird. "Die Szene hat sich sehr geändert. Früher hat es ja außer dem U4 nicht viel gegeben, dieser 'Lonely-Player'-Status ist längst vorbei", sagte Wild. Ganz im Gegenteil: Heute würden mitunter gleich mehrere ähnlich gelagerte Veranstaltungen gleichzeitig um die zahlenden Gäste buhlen.

Für das U4 wird, so sind sich die Betreiber sicher, dennoch genügend Platz sein. Das Zielpublikum sind grob umrissen jene, "denen die Passage zu schick und das Flex zu underground ist", so Conny. "Bei uns sind Leute, die nach der Arbeit mit dem Anzug kommen, genauso willkommen wie Punks", meinte Wild. Es soll an der Türe des U4 auch niemand abgewiesen werden, der etwa die "falschen" Turnschuhe trägt. "Sonst definiert sich das Lokal über die Kleidung und das ist genau das, was wir nicht wollen", so Wild.

Gemischtes Angebot

Das Angebot ist breit: Am Montag steht mit "Eis am Stiel" Mut zu deutschen und italienischen Schlagern auf dem Programm, Dienstag folgt das bewährte "Tuesday-Clubbing" für Studenten, Mittwoch soll vor allem jungen Live-Bands die Möglichkeit gegeben werden, vor einem Clubpublikum aufzutreten. "Das ist ganz in der Tradition des U4, hier haben ja auch Hansi Lang, Minisex oder Die Brüder gespielt", sagte Conny.

Am Donnerstag folgt die Lithium-Rock-Nacht, Freitag ist mit "Pleasure" Housemusic-Tag im U4, Samstag steht Discomusik und Funk, sonntags schließlich "Soulfly" auf dem Programm. "Heaven", das Schwulenclubbing, das früher jeden Donnerstag seinen Fixplatz im U4 hatte, wird vorerst nicht zurückkehren. "Wir hätten den 'Heaven' aber wieder gerne. Alleine als politisches Zeichen", so Wild.

Eine Person freut sich nicht unbedingt über die Wiedereröffnung. "Meine Frau ist traurig, weil ich jetzt wieder ganze Nächte lang weg bin", meinte Conny. Nach 25 Jahren an der Tür zum U4 will Conny die kommenden Monate auch dazu nützen, einen Nachfolger zu finden. "Aber das ist gar nicht so leicht", meinte die Türsteher-"Legende". (APA)

  • Conny de Beauclair: Wiens berühmtester Türsteher
    foto: standard/heribert corn

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