Wirtschaft ist in Männerhand

28. März 2006, 19:40
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Nur 14 von 418 untersuchten Kapitalgesellschaften haben sowohl in Geschäftsführung/Vorstand als auch im Aufsichtsrat zumindest eine Frau

Wien - Frauen an der Spitze österreichischer Kapitalgesellschaften sind auch 2006 die Ausnahme, zeigt eine Untersuchung der Arbeiterkammer (AK) Wien. Nur bei 14 von 418 untersuchten Kapitalgesellschaften (GmbH und AG), das sind 3,3 Prozent, ist sowohl in der Geschäftsführung bzw. im Vorstand als auch im Aufsichtsrat zumindest eine Frau tätig. In 227 Unternehmen (54 Prozent) sind die Männer sowohl in der Geschäftsführung/Vorstand als auch im Aufsichtsrat völlig unter sich. Wenn die Unternehmensführung ausschließlich mit Männern besetzt ist, werden auch die Interessen der Mitarbeiterinnen nicht oder zu wenig berücksichtigt, so die AK.

Von 941 Geschäftsführern bzw. Vorständen sind nur 35 Frauen, gerade einmal 3,7 Prozent. In 386 Unternehmen bzw. bei 92,3 Prozent gibt es überhaupt keine Top-Managerinnen. Ähnlich männerlastig ist die Situation auch in den Aufsichtsräten: Der Anteil an Mandatarinnen liegt dort wie im Vorjahr bei 7,7 Prozent - das entspricht 229 Frauen und 2.750 Männer. Eine ausschließlich weibliche Führungsriege gibt es bei den untersuchten Unternehmen überhaupt nicht - in 227 Unternehmen sind aber ausschließlich Männer sowohl in Geschäftsführung/Vorstand als auch im Aufsichtsrat.

Absichtserklärungen

"Eine Frau an der Spitze eines österreichischen Unternehmens bleibt trotz aller Absichtserklärungen weiterhin die absolute Ausnahme - vor allem in Großbetrieben", kommentiert Studienautorin Eva Schiessl, Betriebswirtin in der AK Wien. "Das Sagen in der Wirtschaft haben ganz klar die Männer."

Interessen der Frauen werden vernachlässigt

Die Folgen liegen für Studienautorin Schiessl klar auf der Hand: Wenn Geschäftsführung und Aufsichtsrat fast nur von Männern besetzt sind, bedeute das dass die Interessen der beschäftigten Frauen bei wichtigen strategischen Entscheidungen zu wenig berücksichtigt werden. Die AK fordert die Vertreter der Wirtschaft daher auf, Aspekte des Gender Mainstreaming auch in die Unternehmensorgane zu tragen.

Untersucht wurden 418 Kapitalgesellschaften mit Aufsichtsrat, die insgesamt 386.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, anhand veröffentlichter Geschäftsberichte und Firmenbuch.

Branchen ohne Frauen in Geschäftsführung

Überhaupt keine Frauen finden sich in der Geschäftsführung der 418 von der Arbeiterkammer Wien untersuchten Kapitalgesellschaften in der Textil- und Bekleidungsindustrie, der Papierindustrie, der Bauwirtschaft und der Energieversorgung. In den Aufsichtsräten variiert die Frauenquote von 1,8 Prozent in der Elektroindustrie bis zu 35,5 Prozent in Krankenhäusern und Sozialdiensten.

Handlungsbedarf

Während einige europäische Länder den Handlungsbedarf mittlerweile erkannt hätten, rühre sich in Österreich diesbezüglich gar nichts, kritisiert Schiessl. Norwegen habe beispielsweise als erstes Land innerhalb der EU eine Frauenquote für Wirtschaftsunternehmen eingeführt: Börsennotierte Unternehmen müssen künftig 40 Prozent ihrer Sitze im Aufsichts- oder Verwaltungsrat mit Frauen besetzen. Auch in Schweden und in der Schweiz seien entsprechende Maßnahmen in Vorbereitung

Trotz Bemühungen seitens der AK wurden im Zuge der letzten Novellierung des "Corporate Governance Kodex" (Jänner 2006) keine neuen Bestimmungen aufgenommen, die dazu beitragen sollten, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten auf ein adäquates Niveau steigt, bedauert Schiessl. Sollte die Wirtschaft keine freiwilligen Schritte vornehmen, sei der Gesetzgeber gefordert entsprechende Maßnahmen anzudenken und gegebenenfalls im Gesellschaftsrecht zu verankern. (APA)

(APA)

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