SMS-Mord: Bruder des Opfers zu sechs Monaten verurteilt

8. März 2006, 20:10
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Bedingte Haftstrafe - Richterin: Mord hätte verhindert werden können

Wien - Der 30-jährige Bruder jenes Mannes, der im vergangenen August von zwei 18-jährigen Burschen auf Bitte seiner Ehefrau in Wien-Meidling umgebracht wurde, ist am Dienstag im Straflandesgericht zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Richterin Daniela Zwangsleitner zeigte sich überzeugt, dass die Bluttat, die als der so genannte SMS-Mord für Schlagzeilen gesorgt hatte, verhindert hätte werden, hätte der Bruder des Opfers anders reagiert.

Der Arbeiter hatte nichts unternommen, als er mit seinem um neun Jahre älteren Bruder plaudernd in dessen Wohnzimmer saß und gegen 22.00 Uhr die zwei 18-Jährigen anläuteten. Die beiden waren mit dem 39 Jahre alten Ehemann befreundet, besuchten diesen öfters und hatten auch schon bei ihm übernachtet.

Sie hatten mit der Zeit auch seine Frau kennen gelernt, die ihnen ihr angebliches Leid zu klagen begann: Ihr Mann sei jähzornig, sie halte ihn nicht mehr aus, er müsse "weg". "Bitte, vernichte die Spinne!", schrieb sie schließlich einem der beiden Burschen per SMS.

Handbewegungen

Der Bruder des 39-Jährigen saß keine zwei Meter daneben, als einer der 18-Jährigen zunächst unvermutet eine Gaspistole gegen den lästigen Ehemann richtete. Er sah, wie die Ehefrau hinter dem Rücken ihres Mannes Handbewegungen machte, die - wie er vor Gericht einräumen musste - "nichts Gutes verheißen": Die Frau fuhr sich mit der Hand über die Kehle und flüsterte einem Burschen "Bitte! Bitte!" zu.

Der Arbeiter sah mit an, wie die Frau schließlich in die Küche ging und mit einem 30 Zentimeter langen Messer und Müllsäcken zurückkam, die sie auf den Tisch legte. Anstatt seinen Bruder zu warnen oder irgendwie ins Geschehen einzugreifen, meinte der 30-Jährige nur knapp: "Macht's nichts, die zwei sind scho amal wieder z'samm kommen!"

Minuten später wurde sein Bruder mit dem Küchenmesser zu Tode gebracht, wofür die beiden 18-Jährigen vor knapp sechs Wochen wegen Mordes nicht rechtskräftig zu je 15 Jahren Haft verurteilt worden sind. Die Ehefrau erhielt als Anstifterin 20 Jahre Haft.

"Eindeutiges Szenario"

Der jüngere Bruder des Ermordeten wurde nun wegen Unterlassung der Verhinderung einer mit Strafe bedrohten Handlung schuldig gesprochen. "Das war so ein eindeutiges Szenario, dass ich nicht anders konnte, als Sie zu verurteilen", stellte die Richterin fest. "Sie haben gewusst, dass zumindest eine Körperverletzung geplant war. Sie haben nicht rechtzeitig die Polizei verständigt."

Der Mann nahm die Strafe an, das Urteil ist rechtskräftig. Er hatte sich damit verantwortet, einerseits von den Burschen Angst gehabt zu haben und andererseits keine Straftat für ernstlich möglich gehalten zu haben. Die beiden Täter, die als Zeugen einvernommen wurden, meinten dazu: "Ich hab' mir gedacht, er weiß, worum es geht. Das Messer ist gekommen, die Müllsäcke sind gekommen, da könnt' ich mir schon einen Reim drauf machen, was da passiert", gab einer der 18-Jährigen zu Protokoll. (APA)

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