Weibliche Vorstände bleiben die absolute Ausnahme

7. März 2006, 20:08
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Aktuelle AK-Untersuchung macht Anteil von 3,7 Prozent aus

Wien - Frauen an der Spitze österreichischer Kapitalgesellschaften sind auch 2006 die Ausnahme, zeigt eine Untersuchung der Arbeiterkammer (AK) Wien. Nur bei 14 von 418 untersuchten Kapitalgesellschaften (GmbH und AG), das sind 3,3 Prozent, ist sowohl in der Geschäftsführung bzw. im Vorstand als auch im Aufsichtsrat zumindest eine Frau tätig. In 227 Unternehmen (54 Prozent) sind die Männer sowohl in der Geschäftsführung/Vorstand als auch im Aufsichtsrat völlig unter sich. Wenn die Unternehmensführung ausschließlich mit Männern besetzt ist, werden auch die Interessen der Mitarbeiterinnen nicht oder zu wenig berücksichtigt, so die AK.

Vorstand und AufsichtsrätInnen

Von 941 Geschäftsführern bzw. Vorständen sind nur 35 Frauen, gerade einmal 3,7 Prozent. In 386 Unternehmen bzw. bei 92,3 Prozent gibt es überhaupt keine Top-Managerinnen. Ähnlich männerlastig ist die Situation auch in den Aufsichtsräten: Der Anteil an Mandatarinnen liegt dort wie im Vorjahr bei 7,7 Prozent - das entspricht 229 Frauen und 2.750 Männer. Eine ausschließlich weibliche Führungsriege gibt es bei den untersuchten Unternehmen überhaupt nicht - in 227 Unternehmen sind aber ausschließlich Männer sowohl in Geschäftsführung/Vorstand als auch im Aufsichtsrat.

"Eine Frau an der Spitze eines österreichischen Unternehmens bleibt trotz aller Absichtserklärungen weiterhin die absolute Ausnahme - vor allem in Großbetrieben", kommentiert Studienautorin Eva Schiessl, Betriebswirtin in der AK Wien, in einer Aussendung am Dienstag. "Das Sagen in der Wirtschaft haben ganz klar die Männer."

Die Folgen liegen für Studienautorin Schiessl klar auf der Hand: Wenn Geschäftsführung und Aufsichtsrat fast nur von Männern besetzt sind, bedeute das dass die Interessen der beschäftigten Frauen bei wichtigen strategischen Entscheidungen zu wenig berücksichtigt werden. Die AK fordert die Vertreter der Wirtschaft daher auf, Aspekte des Gender Mainstreaming auch in die Unternehmensorgane zu tragen.

Untersucht wurden 418 Kapitalgesellschaften mit Aufsichtsrat, die insgesamt 386.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, anhand veröffentlichter Geschäftsberichte und Firmenbuch.

Textil, Papier, Bau, Energie ohne Frauen in Geschäftsführung

Überhaupt keine Frauen finden sich in der Geschäftsführung der 418 von der Arbeiterkammer Wien untersuchten Kapitalgesellschaften in der Textil- und Bekleidungsindustrie, der Papierindustrie, der Bauwirtschaft und der Energieversorgung. In den Aufsichtsräten variiert die Frauenquote von 1,8 Prozent in der Elektroindustrie bis zu 35,5 Prozent in Krankenhäusern und Sozialdiensten.

Sechs der 418 untersuchten Unternehmen (AG und GmbH) haben einen weiblichen Gesamtvorstand: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), DIW Instandhaltung GmbH, Wilhelm Schwarzmüller GmbH, Roche Diagnostics GmbH, Lebenshilfe Salzburg GmbH und adidas Austria GmbH.

"Männergesellschaften ziehen fest an einem Strang", so AK-Studienautorin Eva Schiessl. Wenn Geschäftsführungen und Aufsichtsräte beinahe ausschließlich von Männern besetzt werden, bedeute dies, dass die Interessen von Frauen bei den wichtigen strategischen Unternehmensentscheidungen nur mittelbar berücksichtigt werden. So etwa bei Umstrukturierungen, bei denen vorwiegend Frauen betroffen sind (z.B. Ausgliederung der Reinigung, Schließung der Werksküche, Auslagerung von Buchhaltungsabteilungen, etc). Frauen gehörten bei diesen Veränderungsprozessen überdurchschnittlich oft zu den Verliererinnen, ihre Arbeitsbedingungen werden in der Folge drastisch verschlechtert, etwa durch schlechtere Kollektivverträge.

Männer treffen Entscheidungen

Im Aufsichtsrat eines Unternehmens werden auch wichtige Investitionsentscheidungen getroffen, er kontrolliert die Geschäftsführung und bestellt in der Aktiengesellschaft den Vorstand. Die geringe Repräsentanz in den Gremien habe auch zur Folge, dass Frauen in den Unternehmen selbst keine Stimme haben, um die bestehenden Lohnunterschiede zu den Männern auszugleichen.

Während einige europäische Länder den Handlungsbedarf mittlerweile erkannt hätten, rühre sich in Österreich diesbezüglich gar nichts, kritisiert Schiessl. Norwegen habe beispielsweise als erstes Land innerhalb der EU eine Frauenquote für Wirtschaftsunternehmen eingeführt: Börsennotierte Unternehmen müssen künftig 40 Prozent ihrer Sitze im Aufsichts- oder Verwaltungsrat mit Frauen besetzen. Auch in Schweden und in der Schweiz seien entsprechende Maßnahmen in Vorbereitung

Trotz Bemühungen seitens der AK wurden im Zuge der letzten Novellierung des "Corporate Governance Kodex" (Jänner 2006) keine neuen Bestimmungen aufgenommen, die dazu beitragen sollten, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten auf ein adäquates Niveau steigt, bedauert Schiessl. Sollte die Wirtschaft keine freiwilligen Schritte vornehmen, sei der Gesetzgeber gefordert entsprechende Maßnahmen anzudenken und gegebenenfalls im Gesellschaftsrecht zu verankern. (APA)

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