Annan: Frauen müssen mehr entscheiden

8. März 2006, 20:38
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UN-Generalsekretär lobt steigende Frauenrepräsentation in Polit-Funktionen - Aktivistinnen werfen Annan Untätigkeit vor

New York - Der diesjährige Internationale Frauentag, der von den Vereinten Nationen und zahlreichen Ländern jährlich am 8. März begangen wird, steht unter dem Motto "die Rolle von Frauen in der Entscheidungsfindung". "Lasst uns sicherstellen, dass die Hälfte der Weltbevölkerung ihren rechtmäßigen Platz in den weltpolitischen Entscheidungsfindungsprozessen einnimmt", forderte UNO-Generalsekretär Kofi Annan in einer Erklärung am Montag.

Neuer Rekord bei politischer Repräsentation

So sei das Thema des diesjährigen Internationalen Frauentages sowohl für die Förderung der Frauen auf der ganzen Welt als auch für den Fortschritt der gesamten Menschheit von zentraler Bedeutung. "Wir können einige weltweite Errungenschaften bezüglich der Repräsentanz von Frauen feiern. Im Jänner diesen Jahres erreichte der Anteil an Frauen in nationalen Parlamenten einen globalen Höchstwert. Zur Zeit üben elf Frauen das Amt von Staats- oder Regierungschefs aus. Außerdem gibt es in den drei Ländern, Chile, Spanien und Schweden einen gleich großen Anteil von Männern und Frauen in den Regierungen."

Zuwenig Frauen in Entscheidungsfindungsprozessen

Annan weist jedoch auch darauf hin, dass puncto Frauen in Entscheidungsfindungsprozessen noch viel getan werden und jeder Staat - und die Vereinten Nationen - diese Aufgabe sehr ernst nehmen müsse. Seiner Meinung nach gebe es keine effizientere Strategie zur Umsetzung von Entwicklung, Gesundheit und Bildung, aber auch zur Vermeidung von Konflikten, als die aktive Teilnahme und Einbindung von Frauen und Mädchen. "Frauen sind von den Herausforderungen des 21. Jahrhundert mindestens genau so betroffen wie die Männer - bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, aber auch in Fragen von Frieden und Sicherheit", meinte Annan weiter.

Aktivistinnen werfen Annan Untätigkeit vor

Aktivistinnen aus 50 Ländern haben den Frauentag dazu genutzt, von UNO-Generalsekretär Kofi Annan ein größeres Engagement für die Frauenrechte zu fordern. In einem offenen Brief an Annan erklärten die 240 Unterzeichnerinnen, sie seien enttäuscht und wütend, dass die Stärkung der Gleichberechtigung kein wichtiges Thema bei der Reform der Vereinten Nationen sei. Sie zeigten sich außerdem besorgt, dass die Zahl der Frauen in ranghohen Positionen bei der UNO stagniere.

"Wir sind enttäuscht, dass wir schon wieder fragen müssen 'Wo sind die Frauen? Wo ist das Geld? Wo ist das konkrete Engagement?'", sagte die Direktorin der Organisation Center for Women's Global Leadership, Charlotte Bunch, auf einer Pressekonferenz am Montag (Ortszeit). "Obwohl wir viel rhetorisches Engagement für die Frauenrechte gehört haben, hat es das Thema nicht auf die Agenda der UNO-Reform geschafft." Die Unterzeichnerinnen des Briefs nahmen an der 50. Sitzung der Kommission zum Status von Frauen teil und gehörten mehr als 70 Organisationen an.

Konkrete Vorschläge gefordert

Sie forderten Annan auf, in seiner Rede vor der Kommission am Mittwoch, dem Weltfrauentag, konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Gleichberechtigung vorzulegen und eine Stärkung der UNO-Organisationen anzukündigen, die sich mit Frauenrechten beschäftigen. Die Direktorin der Frauenentwicklungsorganisation, June Zeitlin, erklärte, man fordere "in dieser kritischen Zeit der UN-Reform, dass Frauen an den Entscheidungen teilnehmen und dass die Gleichberechtigung zum Thema wird".

Männliche Führung in der UNO

Zeitlin kritisierte den Mangel an weiblichen Mitarbeitern bei den Vereinten Nationen, besonders in Führungspositionen. "Das Missverhältnis zwischen Männern und Frauen bei den UN verschlechtert sich weiter und wir haben ein Allzeittief erreicht", sagte Zeitlin weiter. Dies sei nicht akzeptabel für eine Institution, die die Gleichberechtigung voranbringen wolle. Sie verwies darauf, dass Annan seinen Stabschef Mark Malloch Brown als Nachfolger für die stellvertretende Generalsekretärin Louise Frechette ausgewählt habe. Frechette tritt am 31. Mai von ihrem Amt zurück.

Pawadee Tonguthai von der Gruppe Asia Pacific Women's Watch sagte, die UN müssten ein Vorbild für alle Regierungen sein und mehr Frauen in ranghohe Positionen bringen. "Wenn die UN kein Vorbild sind, wird auch die einzelne Regierung Rückschritte machen", sagte sie. (APA)

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    Kofi Annan sieht die Frauenförderung für die gesamte Menschheit von zentraler Bedeutung.
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