Die Zukunft ist schnell, mobil und vernetzt

15. März 2006, 14:40
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VoIP könnte Telekom-Anbieter in Bedrängnis bringen - Mobile-TV und digitales Wohnzimmer profitieren von Fußball-WM

Am Handy fernsehen, per Computer telefonieren, unterwegs Internet surfen und zu Hause das Mini-Kino mit Hightech-Bildschirm: Die Grenzen zwischen Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik verschwimmen. Konvergenz heißt denn auch das Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Ausstellerlandschaften auf der Computermesse CeBIT in Hannover zieht.

"Fernseher aus der Jackentasche"

Die weltgrößte Computermesse öffnet ab Donnerstag ihre Tore. Einige der zusammengewachsenen "Techno-Visionen" sind zwar bereits halbwegs bei Konsumenten und in den Unternehmen angekommen. Vom 9. bis 15. März erlauben die mehr als 6.200 auf der CeBIT vertretenen Aussteller aber schon einen Blick auf die - potenziellen - Killer-Anwendungen und Hightech-Schmankerln von morgen. Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 rücken unter anderem die "Fernseher aus der Jackentasche" in den Blickpunkt des Interesses. Internationale Pilotversuche zeigen, dass es für TV am Handy ein beachtliches Potenzial gibt und die Konsumenten ihr liebstes Hobby auch auf ihrem liebsten Tagesbegleiter, dem Mobiltelefon, nutzen wollen.

News in der U-Bahn

Nachrichtensendungen in der U-Bahn anzusehen oder sich die neue Seifenoper im Wartezimmer reinzuziehen könnte laut den Anbietern schon bald Realität sein. Einer der Favoriten dafür ist DVB-H, der kleine Bruder des terrestrischen digitalen Fernsehen (DVB-T), das über eine Dach- oder Zimmerantenne empfangen werden kann. TV auf dem Handy kommt dann nicht mehr nur vom Mobilfunknetz (wie bei UMTS), sondern auch vom Fernsehsendemast. Noch ist allerdings nicht absehbar, ob sich das derzeit spöttisch als "Mäusefernsehen" oder "Daumenkino" bezeichnete Mobile-TV am Markt durchsetzen kann.

Fußball-WM

Auftrieb soll die Fußball-WM auch dem hoch auflösenden Fernsehen geben. HDTV, DVB-T oder LCD lauten die Zauberwörter, die derzeit auf der Hardware-Seite die Herzen höher schlagen lassen. An die Geschwindigkeiten von Internet über Festnetz tasten sich unterdessen die Mobilfunker heran. Die UMTS-Nachfolgetechnologie HSDPA, die eine Datenübertragung im Download von bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde erlaubt, wird in Österreich bereits von den Branchenleadern Mobilkom Austria und T-Mobile angeboten. Auf der CeBIT fällt nun auch bei den großen deutschen Mobilfunknetzbetreibern der Startschuss.

VoIP

Heiß diskutiert wird unterdessen, ob internetbasiertes Telefonieren mittels Voice over IP (VoIP) die traditionellen Telekom-Anbieter in Bedrängnis bringen kann. Im Geschäftskundenbereich ist die "Internet-Telefonie" bereits seit einiger Zeit auf dem Vormarsch, weil VoIP-Gespräche innerhalb des Firmennetzes nur sehr geringe Kosten verursachen oder sogar kostenlos sind. VoIP-fähige Handys können außerdem als mobile Nebenstelle eingesetzt werden. Das Beratungsunternehmen Arthur D. Little geht davon aus, dass bis 2010 mehr als 15 Prozent des Sprachaufkommens via VoIP abgewickelt werden. Dies gilt laut den Beratern sowohl für die Festnetz- als auch verzögert für die Mobiltelefonie.

Neben Produktneuheiten wie Computer mit Doppelkernprozessoren, das Microsoft-Betriebssystem Windows Vista oder künftige Handy-Modelle wird an den sieben Messetagen auch über die Funktechnologie RFID (Radio Frequency Indentification), mit der berührungslos Daten übertragen werden können, diskutiert. Der Einsatz der "schlauen" Mikrochips eröffnet vor allem in jenen Sparten neue Chancen, die von einem hohen Maß an Automatisierung profitieren, wie das Transportwesen oder die Materialwirtschaft. Schon heute hat RFID aber auch in viele Bereiche des öffentlichen Lebens Eingang gefunden. Einige Bibliotheken - wie die Zentralbibliothek Wien - haben zum Beispiel ihre Verleihmedien mit Smart Labels auf Basis der RFID-Technologie ausgestattet.

Alters- und Alltagstauglichkeit

Einfache Bedienung, Alters- und Alltagstauglichkeit sind in der IT- und Telekom-Welt noch keine Selbstverständlichkeiten. Für ein Umdenken sorgen könnte der auf der CeBIT ausgestellte "Age Explorer", ein Anzug, der die Verfassung eines 70-Jährigen simuliert. Dabei wird mit Hilfe einer Spezialbrille und Gehördämpfern cnahlassendes Hörvermögen und Alterssichtigkeit erzeugt. Gewichte und Verstärkungen im Anzug und spezielle Handschuhe simulieren eine verringerte Beweglichkeit.

"Anzüglich" wird Technologie auch im Kommunikationsforum "future talk" präsentiert: Hier widmen sich Experten der Durchdringung des alltäglichen Lebens mit digitalen Helferleins, wie "smarter" Kleidung, dem "intelligenten" Zuhause oder der vernetzten Medizin. Von Jacken, die neben Handy und MP3-Player die komplette Elektronik zur Personenortung integriert haben, bis zu Solarzellen in der Bekleidung für die Versorgung mobiler Kleingeräte reicht die Palette.

Taiwan grüßt CeBit

Auffällig ist heuer der große Anteil an asiatischen Unternehmen auf der CeBIT. Taiwan ist mit 711 Ausstellern am stärksten vertreten, gefolgt von der Volksrepublik China (412) und Südkorea (229). Die Veranstalter haben sich offensichtlich darauf eingestellt: Erstmals öffnen drei Asia-Bistros auf dem Messegelände ihre Tore und zum Verschnaufen gibt es Sudoku als Computerspiel.(APA)

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