Grünes Licht für Industriewerte?

13. März 2006, 10:25
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Eine Vielzahl ökonomischer Indikatoren lässt auf robuste wirtschaftliche Expansion hoffen - Industrieunternehmen könnten profitieren - von Stephan Lukesch

Die Weltwirtschaft brummt. Viele Unternehmen konnten in den vergangenen Monaten Rekordgewinne verbuchen und sitzen nun auf hohen Geldbergen. Es wird erwartet, dass ein starker Investitionszyklus beginnt und die Konzerne im erhöhten Maße neue Ausrüstungen und Maschinen anschaffen. Industrieunternehmen, die ihre Leistungen und Produkte im Bereich der Infrastruktur anbieten, könnten von dieser Entwicklung besonders profitieren. Zu diesen gehören z.B. der US-Konzern Caterpillar, der Maschinen für schwere Erdarbeiten herstellt, oder auch das Industriekonglomerat General Electric, welches im Anlagenbau weltweit eine führende Rolle innehat.

Key Points

  • Ökonomische Indikatoren weisen weiterhin auf robustes Weltwirtschafts­wachstum hin, allerdings sind auch vereinzelte Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung erkennbar.

  • Hohe Unternehmensgewinne lassen eine verstärkte Investitionstätigkeit in Ausrüstung und Maschinen erwarten.

  • Emerging Markets und rohstoffreiche Nationen sind weiterhin Treiber für Wachstum im Infrastrukturbereich (Bauwirtschaft, Straßenbau, Bergbau und Energie).

Weltweit robustes Wirtschaftswachstum

Die wachsende Nachfrage nach Investitionsgütern wird nicht nur von der konjunkturellen Entwicklung in den USA und Europa getragen. Auch die wirtschaftliche Dynamik in China, Indien und den anderen Emerging Markets gibt Grund dazu, positive Kurs- und Gewinnentwicklungen im Industriesektor, speziell im Infrastrukturbereich, zu erwarten. Eine Vielzahl ökonomischer Indikatoren lässt auf eine weiterhin robuste wirtschaftliche Expansion hoffen. Allerdings gibt es auch schon deutliche Signale, die ein Nachlassen dieser Dynamik ankündigen.

In den USA deutet der für die globale Konjunktur wichtigste Frühindikator, der ISM-Einkaufsmanagerindex, auf eine anhaltend positive Stimmung hin. Der Trend präsentierte sich in den vergangenen Monaten aber als leicht rückläufig. Auch die Entwicklungsdynamik der deutschen Wirtschaft hat etwas nachgelassen: Der Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt sich derzeit auf seinem höchsten Stand seit 1991. Allerdings verlieren die harten Zahlen aus der Industrie, wie Produktion und Auftragseingänge, allmählich an Schwung. Ebenso ist die ZEW-Konjunkturerwartung leicht rückläufig, allerdings auf hohem Niveau. Und auch in Japan, der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, expandiert die Wirtschaft weiter. Die Industrieproduktion stieg dort in den vergangenen sechs Monaten aufgrund der erhöhten Investitionstätigkeit der japanischen Unternehmen. Alles in allem wird 2006 von einem leichten Rückgang der konjunkturellen Dynamik und einem moderaten Wachstum im Industriesektor ausgegangen.

Erhöhte Investitionen in Ausrüstung und Maschinen

Das weltweite Wirtschaftswachstum, besonders der Aufschwung in rohstoffreichen Regionen, Indien und China, wird das Gewinnwachstum jener Unternehmen stützen, welche ihre Produkte und Leistungen in den Bereichen der Infrastruktur anbieten. Das Baugewerbe (mit Ausnahme des Wohnbaus), Straßenbau, Bergbau sowie der Energiebereich sind jene Geschäftsfelder, in denen die Gewinne überdurchschnittlich anziehen sollten.

Als Risikofaktoren für den weiteren Aufschwung der Auftragseingänge sind neben der Verlangsamung der makroökonomischen Entwicklung vor allem das Szenario steigender Zinsen zu nennen, wodurch die Finanzierung durch potenzielle Kunden erschwert wird. Sollten sich diese Anzeichen weiter verdichten, kann sich die Stimmung bezüglich der Industriewerte an den Finanzmärkten verschlechtern.

Caterpillar

Caterpillar ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Bauwirtschaft, Transport, Bergbau, Energie, Logistik, Elektronik, Finanzierung und Stromerzeugung. 2005 konnte das Unternehmen eine 20-prozentige Umsatzsteigerung erzielen, was nicht zuletzt auf den Wettbewerbsvorteil durch das global agierende Vertriebsnetz zurückzuführen ist. Caterpillar ist im Sektorvergleich günstig bewertet und profitiert unter anderem von steigenden Investitionen im Baugewerbe, Bergbau und Energiesektor. Der Maschinenhersteller profitiert von der starken weltweiten Konjunktur sowie von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rohstoffen.

General Electric

Das weltweit größte Industriekonglomerat stellt Produkte zur Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Elektrizität her. Das Unternehmen bietet darüber hinaus zahlreiche Industrie- und Transportgüter, Finanzdienstleistungen und Gesundheitsprodukte an und besitzt den amerikanischen Fernesehsender NBC. Das Gewinnwachstum des US-Konzerns sollte besonders durch das Energiegeschäft, aber auch durch das höchstprofitable Finanzierungsgeschäft unterstützt werden. Aus weniger ertragreichen Bereichen, wie z.B. der Versicherungssparte, zieht sich das Unternehmen zurück.

Siemens

Der deutsche Konzern operiert weltweit und stellt eine breite Palette von Industrie- und Konsumgütern her. Das Unternehmen produziert u.a. Lokomotiven, Kraftwerke, Automatisierungssysteme, Netzwerke, medizinische Ausrüstung und elektronische Komponenten. Die Industrie-Divisionen von Siemens zeigten schon bisher exzellente Ergebnisse und werden vom steigenden Investitionsaufwand weiter profitieren. Sollte sich der Konzern darüber hinaus von den Divisionen Communication und Business Services trennen, sollte weiteres Kurssteigerungspotenzial freigelegt werden. Derzeit unterstreichen wir unsere neutrale Haltung gegenüber Siemens.

Fazit: In diesem Umfeld bekräftigen wir unsere neutrale Haltung gegenüber dem Sektor, behalten unsere Empfehlungen Caterpillar und General Electrics jedoch bei.

Der Autor ist Aalyst bei BA-CA Asset Management

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.
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    Viele Unternehmen konnten in den vergangenen Monaten Rekordgewinne verbuchen und sitzen nun auf hohen Geldbergen.

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