Westösterreicher bringen mehr Katzen in Tierheime

7. März 2006, 18:38
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Tiroler Tierschutzhausleiterin: "Plötzlich sind alle allergisch" - Osten reagiert eher gelassen

Wien/Bregenz/Innsbruck/St. Pölten/Salzburg - Unterschiedlich reagieren die Österreicher derzeit auf das Bekanntwerden der Fälle von Vogelgrippe bei Katzen im Grazer Tierheim Arche Noah, wie am Dienstag eine Rundfrage der APA in Tierschutzhäusern ergab. Während im Westen - in Vorarlberg und Tirol - derzeit deutlich mehr Tiere abgegeben werden, ist weiter im Osten eher Gelassenheit angesagt.

Besonnene Steirer

Die Tierheime in der Steiermark freuen sich über das besonnene Verhalten der Bevölkerung. Derzeit werden nicht mehr Tiere abgegeben als sonst jahreszeitlich üblich, wie es auf APA-Anfrage hieß. Der Betrieb läuft im kleinen Tierheim im obersteirischen Trieben (Bezirk Liezen) bisher normal weiter. Allerdings gilt hier gegenwärtig ein vom Land auferlegtes generelles Aufnahmeverbot für Vögel. Veterinärmediziner warnten davor, aus Angst vor Infektionen Katzen einfach auszusetzen.

Mehrarbeit kommt hingegen auf das Grazer Heim des Landestierschutzvereins in der Grabenstraße zu. Nach der vorübergehenden Schließung des Hauses "Arche Noah" des Aktiven Tierschutzes können in der Grabenstraße nun täglich, statt wie üblich jeden zweiten Tag, Tiere abgeben werden.

Anfragen seit Wochen

Es bestehe ein großer Unterschied, ob eine Katze ein Virus in sich trage oder ob sie daran erkrankt sei, erklärte der Präsident der steirischen Tierärztekammer, Franz Krispel. Er warne vor Panikmache, es bestehe auch kein Grund, Katzen vorsorglich einschläfern lassen zu wollen: "Das ist ein Wahnsinn." Anfragen bei seinen Kollegen bezüglich Katzen und möglicher Maßnahmen von Haltern gebe es schon seit Wochen, als der erste Fall einer das Virus tragenden Katze auf der deutschen Insel Rügen bekannt geworden sei. Ein Nachobenschnellen der Anrufe bei Veterinären auf Grund der am Montag erfolgten Räumung des Katzenbestandes im Grazer Tierheim "Arche Noah" habe es nicht gegeben.

Dornbirn: Telefone laufen heiß

Anders die Situation in Vorarlberg. Im Dornbirner Tierschutzheim werden derzeit vier bis fünf Mal so viele Katzen wie gewöhnlich abgegeben. "In den letzten fünf Tagen waren es 19 Katzen, es ist furchtbar", hieß es am Dienstag auf APA-Anfrage. Die Telefone würden heiß laufen, speziell seit Bekanntwerden der Erkrankungen in Graz. Im Tierschutzheim Vorarlberg geht man davon aus, "dass es die nächsten Tage noch schlimmer wird".

"Plötzlich allergisch"

Nicht viel anders die Situation in Tirol: Statt wie früher nur einer würden inzwischen täglich fünf Katzen in Tirol ins Tierheim gebracht. Weitere 30 abgegebene Tiere könne das Team im Tierheim Mentelberg bei Innsbruck durch gutes Zureden und Beruhigen der Besitzer noch verhindern. "Die Panik vor der Vogelgrippe fängt jedoch voll an. Dabei geben die wenigsten zu, dass sie Angst haben. Plötzlich sind alle allergisch", meinte Geschäftsführerin Inge Welzig am Dienstag.

Mehr Anrufe

In Niederösterreichs Tierheimen ergaben Stichprobenanfragen bis dato keine vermehrte Abgabe von Katzen. Im Tierheim in Bruck an der Leitha werden derzeit 150 Katzen betreut - am Dienstag waren sogar gerade Katzenfreunde da, um zwei Tiere abzuholen. Auch in St. Pölten hat die Leitung des Tierheimes seit Bekanntwerden von Infektionsfällen durch das Vogelgrippe-Virus nicht mehr Katzen übernommen als üblich. Gestiegen ist die Zahl von Anrufen besorgter Tierbesitzer, wurde von Aufklärungsarbeit berichtet. Zur Zeit gebe es aber keinerlei Nachfrage, nicht einmal nach drolligen Babykätzchen.

Gleiches galt für Wien: Noch keinen Ansturm besorgter Katzenbesitzer, die aus Angst vor der Vogelgrippe ihre samtpfotigen Lieblinge loswerden wollen, gibt es derzeit im Tierschutzhaus in Vösendorf. Was nicht ist, kann allerdings noch werden, meinte Sprecher Alexander Willer am Dienstag auf APA-Anfrage: "Es gab schon einen ersten Gipfel der Hysterie, als auf Rügen die tote Katze gefunden wurde." Man habe den Leuten aber erklären können, dass kein Grund zur Panik bestehe. Auch jetzt versuche man die Tierbesitzer zu beruhigen, so der Sprecher: "Wir befürchten, dass Tiere ausgesetzt werden unter dem Vorwand der Vogelgrippe."

Keine neuen Vögel aufgenommen

Im Wiener Tierschutzhaus, dessen Einzugsbereich auch ins Umland der Bundeshauptstadt reicht, sind derzeit rund 900 Katzen untergebracht. Tests nach Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 wurden bei ihnen noch nicht durchgeführt. "Aber wir haben jeden Tag einen Amtsveterinär im Haus", sagte Willer: "Wenn er das anordnet, werden wir uns nicht verschließen." Auch 15 Schwäne, einige Enten und "zig Papageien" werden vom Wiener Tierschutzverein betreut. Weitere Tiere werden wegen der Ansteckungsgefahr zumindest bis 30. April nicht aufgenommen, so der Sprecher.

In 819.200 österreichischen Haushalten (25,6 Prozent) leben eine oder mehrere Katzen. Das gab die Statistik Austria auf Anfrage der APA bekannt. Die meisten Katzen gibt es in Kärnten und in der Steiermark.

Im südlichsten Bundesland beträgt der Anteil der Haushalte 34,1 Prozent, in der am stärksten von der Vogelgrippe betroffenen Steiermark 32,2 Prozent. Im Burgenland sind es 31,3 Prozent der Haushalte, in denen Katzen wohnen, in Oberösterreich 30,9 Prozent und in Niederösterreich 30,3 Prozent. 25,7 Prozent der Vorarlberger, 24,6 Prozent der Salzburger und 22,9 Prozent der Tiroler Haushalte haben sich Katzen als Haustier ausgesucht. In Wien leben nur in 12,7 Prozent der Haushalte Katzen. (APA)

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