Kommentar: Totgesagt/e

8. März 2006, 20:38
3 Postings

Eine effektive Frauenpolitik existiert nicht, die Frauen-Bewegung scheint obsolet und die Masse der Frauen arrangiert sich irgendwie - Wozu also ein Frauentag?

Mit den Tagen, die einmal im Jahr begangen werden, ist das so eine Sache. Erfüllen sie doch zumeist nur den einen Zweck, etwas in Erinnerung zu rufen, das die restlichen 364 Tage im Jahr nur zu gerne vergessen wird. Nach dem Motto "in memoriam ..." folgen große Worte, noch größere Versprechungen, feierliche Veranstaltungen und vor allem Lobhudeleien, die leider nur zu oft mehr die aussprechenden Personen selbst loben als jene, denen dieser Tag gewidmet ist. PolitikerInnen aller Couleurs ereifern sich darauf hinzuweisen, welch grandiose Leistungen sie für die Frauen ihres Landes erwirkt hätten. Auch dort, wo die Effekte im Nichts der black boxes oder im Dunst des blau-orangen Himmels verpuffen, beziehungsweise nur einer verschwindenden Minderheit an Frauen zugute kommen, wird der Schein erweckt: "Alles den Frauen - wir opfern uns für euch"! Doch diese Liebe währt kürzer als ein durchschnittlicher Flirt. Am nächsten Tag erwachen wir ernüchtert und wissen, es hat sich nichts verändert.

Der Frauentag ist dann vorbei und mit ihm die großartigen Versprechungen. Gravierende Benachteiligungen von Frauen auf allen nur denkbaren Ebenen (nein, die werden wir hier nicht schon wieder aufzählen!) werden in luftdichte Päckchen gepackt, verschnürt und verstaut, bis sie - kurz vor ihrem Verrotten - am nächsten Frauentag wieder feierlich auf den Gabentisch der Politik gebreitet werden. Der Geburtstagschor stimmt sich aufs Neue festlich ein: "Liebe Frauen, wir opfern uns für euch, trallalla!" Und so weiter und so fort...

Wozu also ein Frauentag? Zum Feiern finden wir nicht viel! Es sei denn, wir besitzen eine gehörige Portion Galgenhumor oder sind auf einem Auge blind. Also tun wir weiter, stellen unermüdlich Forderungen, immer wieder, um zu unserem Recht zu kommen. Rechte, Ressourcen und Gegebenheiten, die uns eigentlich selbstverständlich zu eigen sein sollten. Und auch wenn es uns selbst desöfteren schizophren erscheint, besonders angesichts der derzeitigen politischen Situation, in der vieles den Bach hinunter gegangen oder zumindest bedroht ist, was einen jahrhundertelangen Kampf erfordert hat, begehren wir weiterhin auf. Das sind wir aktuell nicht nur uns selbst und allen Frauen schuldig, sondern auch unseren Vorreiterinnen, von denen einige ihr Leben aufs Spiel gesetzt oder Haftstrafen in Kauf genommen haben.

Wir müssen nicht jeden Tag auf die Barrikaden steigen und lautstark demonstrieren. Und auch wenn die Häme konservativer Schreiberlinge ebensolcher Blätter frohlockend lechzt, die Frauenbewegung sei aufgrund der seltener gewordenen Straßenaktionen tot, geschrumpft auf ein Häuflein "armseliger, rebellischer, hässlicher, frigider Weiber", so irrt sie. Der Kampf findet täglich auf anderen Ebenen und mit anderen Strategien statt. Die Frauen der Bewegung leisten in unterschiedlichsten Formen, Gruppierungen, Vereinen, Netzwerken, Medien ... wertvollste Arbeit, ohne die das alltägliche Leben von Frauen noch mühseliger wäre. Eine Arbeit, welche die dafür eigentlich zuständige Politik oft nicht leisten will. Die politisch engagierten Frauen machen weiter. So tot können wir /sie gar nicht sein.

08.03.2006

Von Dagmar Buchta
  • Bild nicht mehr verfügbar
    Mit dem Bild "Mädchen mit Blumenhut" von Alexej von Jawlensky (1910) wirbt das Leopold Museum für den Internationalen Tag der Frau.
Share if you care.