Doppelt gemoppelt läuft besser

1. Juni 2006, 16:23
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Zwei Prozessorkerne auf einem Chip bieten echtes Multi-Threading und Multi-Tasking - AMD und Intel planen bereits Chip mit vier Prozessorkernen

Der Wettlauf um möglichst viel Gigahertz-Power für den PC ist zu Ende. Stattdessen hat sich der Wettbewerb zwischen Intel und AMD auf die Entwicklung von leistungsfähigen und Strom sparenden Doppelkern-Prozessoren verlagert. Hier besteht ein Chip aus zwei Prozessorkernen, die sich die Arbeit teilen.

Echt

Dadurch wird echtes "Multi-Threading" und "Multi-Tasking" möglich: Das bedeutet, dass die Befehlsketten (Threads) eines bestimmten Anwendungsprozesses oder mehrere verschiedene Aufgaben (Tasks) gleichzeitig bearbeitet werden. Diesen Eindruck will zwar auch das Arbeiten unter Windows vermitteln, tatsächlich aber werden hier die Anweisungen an den Prozessor nacheinander absolviert.

Vorteil nur mit der richtigen Anwendung

Den Vorteil der beiden Prozessorkerne können aber nur diejenigen Anwendungen nutzen, die auch entsprechend programmiert sind. Das sind etwa die Bildbearbeitungssoftware Photoshop, die IBM-Datenbank DB2 oder Skype für das Telefonieren im Internet. Im Trend liegen auch Computerspiele mit Dual-Core-Unterstützung. Hier können Aufgaben mit hohen Anforderungen an den Prozessor auf die beiden Kerne aufgeteilt werden, so dass etwa der eine Kern für die künstliche Intelligenz, der andere für die Physik-Engine zuständig ist. Als Beispiele für Multithreading-Spiele nennt Intel-Sprecher Martin Strobel "Black & White 2" von Electronic Arts und "King Kong" von Ubisoft.

Bei aufwendigen Grafik- oder Audio-Anwendungen liegen die Vorteile auf der Hand

Wer den Computer nur für Textverarbeitung oder E-Mail verwendet, braucht keinen Doppelkernprozessor. Bei aufwendigen Grafik- oder Audio-Anwendungen liegen die Vorteile auf der Hand. In einem Test der Nachrichtenagentur AP dauerte die Erstellung einer DVD mit dem Programm Adobe Premiere Elements auf einem Rechner mit einem Pentium 4 und Taktrate 2,8 Gigahertz fast zwei Stunden - und während dieser Zeit war der PC für anderes kaum ansprechbar. Die Vergleichsrechner mit Doppelkernprozessor benötigt für die gleiche Aufgabe 54 (Athlon 64 X2 4800+) beziehungsweise 67 Minuten (Pentium D 840).

Die Ersten

Intel und AMD haben die ersten Doppelkern-Prozessoren für den privaten Einsatz im Mai vergangenen Jahres eingeführt, das waren ein Pentium D und ein Athlon 64 X2. Bei Intel gibt es außerdem einen noch leistungsstärkeren, den Pentium Extreme Edition, und den für Notebooks gedachten Intel Core Duo. AMD stellte im Januar den 64-Bit-Prozessor Athlon 64 FX-60 Dual-Core vor, der "speziell für PC-Begeisterte entwickelt" wurde - zum Großhandelspreis von etwa 860 Euro. Einen ersten Doppelkernprozessor für Notebooks wird es von AMD bis Juni geben. "Das ist einfach die Technik, der die Zukunft gehört", sagt AMD-Sprecher Stephan Schwolow.

Unterschied

Von den Doppelkernprozessoren sind Dualprozessorsysteme zu unterscheiden, wie sie bei Apple schon seit Juli 2000 zum Einsatz kommen. Hier bringen die Prozessorkerne ihre eigene technische Infrastruktur mit, insbesondere den Cache für das Zwischenspeichern von Daten. Das hat Vorteile für besonders leistungshungrige Anwendungen, ist aber auch mit einem höheren Energiebedarf verbunden. "Dual-Core ist sehr viel energieeffizienter", erklärt Apple-Sprecher Frank Limbacher.

Wachstum

Und das ist besonders wichtig bei Notebooks, für die es im Markt ein weit höheres Wachstumspotenzial gibt als für Desktop-Rechner - zurzeit haben Notebooks nach einer Schätzung des Marktforschungsinstituts IDC weltweit einen Anteil von 30,5 Prozent aller Computer - im nächsten Jahr sollen es schon 42 Prozent sein.

Das Angebot an speziellen Prozessoren für Notebooks war denn auch ein wesentlicher Grund für Apple, von den G4- und G5-Prozessoren aus dem Hause IBM zu Intel umzusteigen. Seit Beginn des Jahres wurden bereits 50 Prozent der Apple-Produktlinie auf Intel-Prozessoren umgestellt. Den "Mac mini" gibt es ebenso mit Intels Core-Duo-Prozessor wie das Notebook "MacBook Pro".

Core-Duo Cebit

Die meisten Notebook-Hersteller sind auf der Cebit mit Core-Duo-Geräten vertreten. "Durch die erhebliche Leistungssteigerung des neuen Prozessorenkonzeptes, bei gleichzeitig gesenktem Energieverbrauch der Systeme werden neue rechen- und grafikintensive Programme erheblich schneller ablaufen", erklärt Toshiba-Produktmanager Ulrich Jäger. Die neue Prozessortechnik sei ein "Garant für eine positive Marktentwicklung".

"Weif"

Wie schon bei der Centrino-Technik für das drahtlose Funknetz hat Intel rund um den Doppelkernprozessor eine neue Plattform entwickelt, die als "Viiv" (ausgesprochen wie "Weif") bezeichnet wird und Funktionen der Unterhaltungselektronik für den PC unterstützt. Im wesentlichen handelt sich dabei um einen Dual-Core-Prozessor mit zugehörigem Chipsatz, Netzwerk-Komponenten und eine Reihe von Software-Bausteinen, das Ganze aufgebaut auf der "Media Center Edition" von Windows XP. Zu den PC-Herstellern, die das Konzept nutzen, gehören Dell, Fujitsu-Siemens, Sony und Medion.

Dass die Entwicklung nicht bei den Doppelkernen stehen bleiben wird, zeigen die Ankündigungen von Intel und AMD für das nächste Jahr: Beide Hersteller stehen schon in den Startlöchern für die ersten Chips mit vier Prozessorkernen. Und Intel hat zu Beginn dieser Woche das Forschungsprogramm "Tera-Scale" vorgestellt, das für das nächste Jahrzehnt schon Prozessoren mit mehreren zehn oder sogar mehreren hundert Prozessorkernen ins Auge fasst.(APA/AP)

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