Constantini neuer Pasching-Coach

18. März 2006, 21:14
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Fernseh-Analytiker er­setzt Andreas Heraf, der nur drei Spiele Nachfol­ger von Georg Zellhofer sein durfte

Wien/Pasching - Es gibt also doch noch Trainerwechsel im Fußball, die so gar nicht ins Schema passen. Normalerweise verliert eine Mannschaft verlässlich, normalerweise wird dem Coach vom Präsidenten das Vertrauen ausgesprochen, normalerweise ist er dann bald weg. Natürlich nicht der Präsident. Der 38-jährige Andreas Heraf ist freiwillig gegangen. Von und aus Pasching. "Weil ich mir das Scheitern eingestanden habe. Den Mut muss man einfach aufbringen. Ich habe keinen Draht zur Mannschaft gefunden, konnte meine Vorstellungen überhaupt nicht weitergeben. Weiterwursteln hätte absolut nichts gebracht, das ist nicht meine Art."

Heraf war Paschings Cheftrainer für nur drei Partien. 0:0 gegen Salzburg, 0:3 gegen Admira, 0:1 gegen Tirol. Bereits am vergangenen Sonntag hat er Klubboss Franz Grad informiert, dieser war ziemlich perplex, der Rücktritt wurde dann gestern, Dienstag, offiziell angenommen - weil eine Alternative gefunden wurde: Didi Constantini hat sich bereit erklärt, bis Sommer einzuspringen. Er, der für Kurzgastspiele stets zu haben ist (von Dezember 2001 bis Mai 2002 hievte er die Austria trotz Stronach noch in den UEFA-Cup), freut sich "auf diese Herausforderung. Es geht darum, die Mannschaft aus dem Tief zu führen." Bereits am Dienstagabend (nach Redaktionsschluss) führte Constantini die Gebeutelten ins Viertelfinale des Cups oder auch nicht, der GAK stand im Weg.

Verschleiß

Superfund Pasching hat einen enormen Verschleiß (da kann aktuell maximal die Admira mithalten, die Austria ist seit dem Abgang von Frank Stronach ja ziemlich gewöhnlich geworden). Der denkmalgeschützte Georg Zellhofer wurde bekanntlich von Meister Rapid abgeworben, Grad ersetzte ihn vorzeitig, am 7. November 2005, durch den bisherigen Assistenten Helmut Kraft. Dieser durfte nur den Herbst beenden, noch im Dezember wurde ihm aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen mitgeteilt, dass er, Kraft, von Heraf abgelöst würde, der, vom Erstdivisionär Schwanenstadt kommend, das Amt am 2. Jänner antrat.

Am 7. März sollte er sagen: "Es ist sinnlos." Und Grad hielt fast eine Laudatio: "Dies zeugt von einer gewissen Größe, die Andreas Heraf bewiesen hat. Ich bin nun sehr froh, dass sich Didi Constantini bereit erklärt hat, uns zu helfen." Ein kleine Watsche hat er Heraf aber doch mit auf den Weg gegeben: "Wir haben in zehn Jahren Georg Zellhofer auch Tiefen erlebt, waren aber nie inferior. In den vergangenen Runden waren wir inferior."

Leidenschaft

Heraf glaubt, "mein Gesicht gewahrt zu haben. Ich kann in den Spiegel schauen." Als er die Paschinger Kicker vom Abgang benachrichtigt hat, "sind sie nur andächtig dagesessen. Keine Reaktion, weder eine positive noch eine negative, das ist typisch gewesen." Er, Heraf, wollte Leidenschaft vermitteln - wohlwissend, "dass ein neues Blut immer Unruhe bringt. Ich bin ehrgeizig, geradlinig und ehrgeizig. Doch es hat sich nichts entwickelt, das Gesamtpaket passte einfach nicht. Aber der Verein ist schon in Ordnung."

Er bleibe Fußballtrainer "mit Herz und Seele. Einmal scheitern ändert nichts. Ich warte auf neue Chancen. Und ich werde Erfolg haben, weil ich mich nicht verbiege." (hac; DER STANDARD Printausgabe 8. März 2006)

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    Andreas Heraf: "Wir sind auf keinen grünen Zweig gekommen."

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