Fluglehrer beschreiben Moussaoui als schlechten Piloten

14. März 2006, 17:41
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US-Geschworenengericht beschäftigt sich mit Zeit vor Festnahme - Der Angeklagte nahm Unterricht an großen Boeings

Alexandria - Im Prozess gegen den Franzosen Zacarias Moussaoui im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 haben sich die Geschworenen am Mittwoch mit den Aktivitäten des Angeklagten vor seiner Festnahme in den USA beschäftigt. Als erster Zeuge war der ehemalige Fluglehrer des Angeklagten geladen, der diesem im Jahr 2001 in Oklahoma fünfzig Flugstunden erteilt hatte.

Sein Schüler sei ein schlechter Pilot gewesen, sagte der aus Pakistan stammende Shaher Kassam. "Zack" - wie er ihn immer genannt habe - habe sich nicht konzentrieren können, wenn er mit komplexen Situationen konfrontiert gewesen sei. Moussaoui verließ die Schule schließlich ohne Fluglizenz.

Unterricht an großen Boeings

Den Geschworenen wurden auch E-Mails vorgelesen, mit denen Moussaoui sich im Mai 2001 bei anderen Flugschulen bewarb, um Unterricht an großen Boeings zu nehmen. "Vielleicht können Sie mir helfen, meinen großen Traum zu erfüllen: die großen Vögel zu fliegen", heißt es in einer Mail. Für 6800 Dollar (5.705 Euro) schrieb sich Moussaoui schließlich an einer Flugschule in Minnesota ein. Sein dortiger Lehrer Clarence Prevost beschrieb den Angeklagten vor den Geschworenen als Schüler, "der wenig vom Fliegen verstand".

Zunächst habe er Moussaoui für einen "Typen mit zuviel Geld" gehalten, der ein wenig Pilot habe spielen wollen. Als er seinen Schüler jedoch einmal nach dessen Religion gefragt habe, habe dessen schroffe Reaktion seinen Argwohn geweckt. Der Fluglehrer informierte schließlich das FBI; drei Tage später wurde Moussaoui festgenommen.

Auch der FBI-Agent Harry Samit, der den Angeklagten drei Wochen vor dem 11. September festnahm, sagte vor dem Gericht aus. In den Verhören habe Moussaoui keinerlei Hinweise auf die bevorstehenden Anschläge gegeben. "Sonst hätte ich sofort Alarm geschlagen."

Moussaouis Auftrags-Ziel: das Weiße Haus

Moussaoui hat gestanden, Mitglied des Al-Kaida-Netzwerks zu sein und von den Planungen für den 11. September gewusst zu haben. Nach seiner Darstellung sollte er selbst nicht an diesen Anschlägen teilnehmen, sondern später eine Linienmaschine in das Weiße Haus steuern. Die Anklage macht den 37-Jährigen mitverantwortlich für den Tod der rund 3000 Anschlagsopfer und fordert die Todesstrafe: Hätte er sein Wissen nach seiner Festnahme offenbart, hätten die Pläne durchkreuzt werden können, argumentieren die Ankläger.

Dies wird von der Verteidigung bezweifelt. Nach ihrer Darstellung hielten die anderen Terrorpiloten den Franzosen für unfähig und weihten ihn nicht in ihre Planungen ein. Die Anwälte plädieren zudem auf Unzurechnungsfähigkeit ihres Mandanten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zacarias Moussaoui (Archivbild) bekannte sich im April des vergangenen Jahres für schuldig

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