Afghanistan: Suizid als Antwort auf Missbrauch

8. März 2006, 13:43
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Vergewaltigungen, Zwangsehen und Mord machen das Leben von Frauen auch nach dem Taliban-Regime zur Hölle

Kabul - Mehr als vier Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban leiden Frauen in Afghanistan immer noch unter Vergewaltigung, Mord und Zwangsheirat. "Von den entlegensten Dörfern bis hin zu Städten wie Kabul werden Frauen missbraucht", sagte Hangama Anwari von der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission (AIHRC) bei der Vorstellung eines Berichtes am Montag in Kabul.

Selbstmorde

Mehr als 38 Prozent der befragten Frauen hätte angegeben, gegen ihren Willen verheiratet worden zu sein. Jede zweite Frau habe gesagt, dass sie mit ihrem Eheleben unzufrieden sei. Gewalt und Enttäuschung hätten zu zahlreichen Selbstmordversuchen geführt, sagte Anwari. Die AIHRC hat im vergangenen Jahr 198 Selbstmordversuche bei Frauen registriert, die in 69 Fällen zum Tod führten.

Mangelndes Bildungs- und Gesundheitswesen

Außerdem beklagt der Bericht den mangelnden Zugang von Frauen zu gesundheitlicher Betreuung und Bildung. Es gebe nur einen Arzt für 100.000 Menschen und ein Krankenhausbett für 3.000 Menschen. Eine von zehn Frauen käme bei der Geburt ihres Kindes ums Leben, was eine der höchsten Sterberaten der Welt sei. Mehr als 80 Prozent der afghanischen Frauen seien Analphabetinnen. Das bis Ende 2001 regierende Taliban-Regime hatte es Frauen untersagt, in die Schule zu gehen oder ohne einen männlichen Verwandten das Haus zu verlassen. (APA/ag.)

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    Die AIHRC hat im vergangenen Jahr 198 Selbstmordversuche bei Frauen registriert, die in 69 Fällen zum Tod führten.
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