Lange Nacht und große Torte

7. März 2006, 19:52
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Das Metro-Kino war bis vier Uhr früh gesteckt voll - und kein einziges Schnarchgeräusch war zu hören

So weit, die Torte nach Hollywood zu schicken, ging die Liebe zu den Befeierten doch nicht: Die in Hollywood, war man sich im Wiener Metro-Kino sicher, hätten schließlich bestimmt ohnehin genug zu naschen. Zweitens wurde schnelle Energie - Zucker, Schokolade und nochmals Zucker - in der Oscar-Nacht aufgrund der Zeitverschiebung in Wien dringender gebraucht. Dennoch, bezeugen alle, die der Oscar-Nacht-Einladung von Viennale-Boss Hans Hurch nachkamen, war das Metro-Kino bis gegen vier Uhr früh gesteckt voll - und kein einziges Schnarchgeräusch sei zu hören gewesen. Sogar Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny blieb nicht bloß für die polit-übliche Fototermin-Sechzigstelsekunde, sondern hielt (fast) bis zum Ende durch. Freilich: Auch wenn man sich bei ProSieben (von dort kam das Bild) das Drüberquatschen verkniff, ist das Metro nicht das Kodak-Theatre - aber außer Virgil Widrich (der launige Anekdoten vom Academy Award erzählte) kann das hier keiner so genau wissen.

Mozart die große Kugel geben Fiele die Realisierung nicht ins aktuelle Zeitfenster, wäre die Idee ja ganz nett. Aber innerhalb Österreichs war der Mozart-Overkill halt bereits wenige Minuten nach dem Start des Mozartjahres erreicht. So bleibt nur zu hoffen, dass die Tournee auf die Franz Steinmann und Günther Steinschaden - in Salzburg als PR-Agentur "Two Stones" bekannt -, ihr am Samstag präsentiertes Projekt Roll on Mozart schicken, möglichst weit weg von allen Mozart-Orten führt. Sonst werden die 80 rund 1,60 Styroporinterpretationen zum Thema "Mozartkugel" nämlich nur das auslösen, was der Verzehr einer echten Mozartkugel dieser Größe hervorrufen würde: Völlegefühl und Magenschmerzen. Bestenfalls. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 07.03.2006)

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