Kulturstreit um Helikopter zu Mozarts Füßen

8. März 2006, 09:57
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Salzburg hat wieder einen Kulturstreit: "Krone" und FP mobilisieren gegen das Avantgarde-Festival "Kontra.com"

Salzburg – Das traditionell angespannte Verhältnis der Salzburger zu zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum ist um eine Aufregung reicher: Die lokale Kronen Zeitung wettert seit Tagen gegen das im Rahmen des Mozartjahrs für Mitte Mai bis Mitte Juni geplante Avantgarde-Festival "Kontra.com".

Einmal mehr muss der Schutz der Altstadt als Argument gegen moderne Kunst herhalten. Im Rahmen des Festivals sollen zehn Installationskünstler Objekte im Stadtgebiet von Salzburg aufstellen. Die Aufregung gilt vor allem einer von der italienischen Künstlerin Paola Pivi projektierten Installation vor dem Mozart-Denkmal. Pivi plant, Mozart einen ausrangierten Helikopter vor die Füße zu legen – als Symbol für die Beschwerlichkeit des Reisens zu Mozarts Zeiten soll der Hubschrauber auf den Kopf gestellt werden.

Tradition

Das berühmte Mozart-Denkmal als Bezugspunkt für eine Installation zu verwenden, ist keine neue Idee. Schon vor rund 15 Jahren hatte der Salzburger Aktionist Anton Thuswaldner das Standbild mit Supermarktwagerln eingehaust. Diese Aktion rund um die totale Vermarktung des Musikgenies führte auch damals zu wütenden Protesten.

Während "Kontra.com"-Kurator Max Hollein an seinen Projekten – umstritten ist auch ein Bauzaun beim Mirabellgarten – festhält, hat die Stadtpolitik auf das mediale Trommelfeuer reagiert. Trotz Genehmigung der Installationen durch den Stadtsenat soll der umgedrehte Hubschrauber nun voraussichtlich nicht am Mozartplatz, sondern am nahe gelegenen Residenzplatz "landen". Den Freiheitlichen geht das nicht weit genug. FP-Landeschef Karl Schnell fordert Subventionsstopp: Für ihn sind Kunstaktionen wie "Kontra.com" schlicht "dekadent".

Verwirrung um Budget

Deutlich differenzierter sehen das die Salzburger Kulturschaffenden selbst. Thomas Randisek, Geschäftsführer des Dachverbands Salzburger Kulturstätten, hält zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum Salzburgs für "absolut notwendig". Verwundert ist Randisek aber, dass für das als Biennale geplante Festival plötzlich 1,3 Millionen Euro von Stadt, Land und Altstadtmarketing bereitstehen; den Salzburger Kulturschaffenden werde hingegen immer erzählt, es gebe keine finanziellen Spielräume im Budget. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 07.03.2006)

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