Zuspitzung um Grenzkonflikt der Dnjestr-Republik

8. März 2006, 16:03
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Chaotische Zustände an den Übergängen: Hunderte Kleinhändler von ukrainischer Seite zurückgewiesen

Chisinau/Moskau - Im Separatistenkonflikt um die von Moskau unterstützte Dnjestr-Republik haben die prowestlichen Führungen in Moldawien und der Ukraine die Grenzkontrollen drastisch verschärft. An den Übergängen zwischen der Ukraine und dem von Moldawien abtrünnigen Dnjestr-Gebiet herrschten am Montag chaotische Zustände. Hunderte Kleinhändler wurden von der ukrainischen Seite zurückgewiesen, wie die Agentur Infotag meldete. Die Regierung in Kiew lässt seit Anfang März in Absprache mit der moldawischen Führung strenge Grenzkontrollen durchführen, um den Schmuggelverkehr mit der Dnjestr-Republik zu unterbinden.

Mit Unterstützung der Europäischen Union wollen die Regierungen in Chisinau und Kiew die autoritäre Führung des zwischen ihnen liegenden Dnjestr-Gebiets zu neuen Verhandlungen über eine Wiedervereinigung mit Moldawien zwingen. Seit Monatsbeginn dürfen nur noch Waren von der Dnjestr-Republik in die Ukraine exportiert werden, die ein Zertifikat der moldawischen Regierung tragen. Schwer bewaffnete ukrainische Soldaten kontrollierten die Grenzübergänge. Seit Dezember 2005 helfen Zoll- und Grenzbeamte aus EU-Staaten ihren einheimischen Kollegen dabei, die bisher völlig offene Grenze zwischen der Ukraine und der Dnjestr-Republik zu kontrollieren.

Die autoritäre Führung der Dnjestr-Republik kritisierte die verschärften Kontrollen als Erpressung und warnte vor einer "sozialen Katastrophe" angesichts des unterbundenen Handels. Sicherheitskräfte des international nicht anerkannten Gebietes beschlagnahmten am Montag drei moldawische Güterzüge auf ihrem Territorium, die auf dem Weg in die Ukraine waren.

Das überwiegend von Russen und Ukrainern besiedelte Dnjestr-Gebiet hatte sich 1992 in einem Bürgerkrieg mit hunderten Toten von Moldawien abgespalten. Die moldawische Regierung wirft der Führung in Tiraspol seitdem vor, sich durch den Schmuggel von Waffen und Drogen zu finanzieren. Russland hält gegen internationale Abmachungen noch mehr als 1000 Soldaten in der Dnjestr-Republik stationiert. (APA/dpa)

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