Faszinierend gealtert

6. März 2006, 20:46
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Das Akkordeonfestival gastierte im Porgy & Bess

Wien - Das Akkordeonfestival füllt zurzeit die Säle und Hallen der Stadt - am Sonntag war es das Porgy & Bess.

Während die französische Volksmusik-Institution Bratsch um Gitarrist und Sänger Dan Gharibian in gewohnter Virtuosität französische Chansons mit neapolitanischen Tarantellas, mediterranes Melos mit vertrackten Balkanrhythmen kurzschloss und Violinist Bruno Girard zu charmanten Exkursen in Richtung jiddischer Lieder und Roma-Swing aufbrach, war es vor allem ein Gast, der gleichermaßen befremdete wie faszinierte und so die Aufmerksamkeit auf sich zog:

Kindhaft und doch gleichzeitig verlebt, gealtert, wie zu früh erwachsen geworden, erhob Mitsou alias Mónika Juhász Miczura in einigen Lieder ihre Stimme. Akkordeonfestival-Chef Friedl Preisl hatte die durch die (mittlerweile aufgelöste) ungarische Roma-Band Ando Drom bekannt gewordene Sängerin, die schon auf dem 1998 erschienenen Album Rien dans les Poches mit den Bratsch-Mannen kooperiert hatte, mit den Parisern zusammengespannt.

Grund für den exzellenten Publikumszuspruch nicht nur dieses Events dürfte - neben Preisls Programmauswahl - die klare Fokussierung ethnischer Musik sein, die das Akkordeonfestival im Kontrast zu seinem genreübergreifende Offenheit indizierenden Namen aufweist.

Und mit der man auch hier von der Reethnisierungswelle profitiert, die zurzeit immer stärker - zwischen Ruslanas Huzulen-Pop, europäischen Jazz-Derivaten und den heimeligen Americana-Klängen einer Norah Jones - auf die Musikszene durchschlägt.

"Back to the roots" heißt die Devise in Zeiten einer ob Informationsüberfütterung immer unübersichtlicheren Welt. Das Akkordeonfestival ist offenbar zur richtigen Zeit am richtigen Ort. (DER STANDARD, Printausgabe, 07.03.2006)

Von Andreas Felber

Highlights Akkordeonfestival
7. 3., Theater Akzent: Amarcord/Beefolk
9. 3., Sargfabrik: Amestoy Trio

0676/512 91 04
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    foto: festival
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