Satellitengestützte Telekommunikation - Von Dubai nach Wien via Aflenz

14. März 2006, 10:39
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Wer hätte das gedacht: An der Erdfunkstelle Aflenz hängen der Mittlere Osten und Afrika

Mit ihrer Erdfunkstelle und starken Leitungen entwickelt sich Telekom Austria zum großen Player im internationalen Internet-Geschäft.

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Mit dem Internet wächst die Welt zusammen – nicht nur, wenn man auf dem Bildschirm von einer Website zur nächsten surft und Distanz dabei keine Rolle spielt, auch bei der "Verkabelung", die diese Informationen verbindet: Dieser Bericht zum Beispiel, bei der Telekom-Messe Cabsat für den Mittleren Osten und Afrika in Dubai geschrieben, erreicht mit einiger Wahrscheinlichkeit über die Erdfunkstelle der Telekom Austria im steirischen Aflenz seinen Bestimmungsort in Wien.

Ausstellung Cabsat

Denn die Telekom Austria (TA) ist inzwischen einer der fünf größten Anbieter von Kommunikationskanälen für den Mittleren Osten und Afrika, erklärt Josef Trimmel, Chef des Geschäftsbereichs "Wholesale" (Großhandel) der TA, der bereits ein Viertel des leitungsgebundenen Umsatzes der Telekom erwirtschaftet – Tendenz steigend. "Österreich ist als Neutraler, der mit vielen Kulturen kann, in der Region sehr angesehen", sagt Trimmel. Erstmals ist die TA heuer mit eigenem Ausstellungsstand bei der Cabsat vertreten. Besonders präsent ist die TA beim Internet-Geschäft im Iran und Irak, wo viele Infrastruktureinrichtungen zerstört wurden. Satellitenverbindungen können diese Lücken besonders rasch schließen: Der Satellit versorgt örtliche Internet-Provider mit Leitungskapazität, die dann am Boden meist mit Funktechniken wie Wi-Fi (Wireless Lan) oder dem jüngeren Wi-Max an Endkunden verteilt wird.

Satelliten-Vorteile

Satellitenverbindungen sind auch eine Chance für Entwicklungsländer und Emerging Markets, rasch örtliche Internetstruktur aufzubauen. Auch internationale Organisationen, die ihre Außenstellen an das Datennetz anbinden müssen, aber keine örtliche Struktur dafür vorfinden, nützen diesen Übertragungsweg. Unter anderem verbindet die Weltbank ihre Büros im Mittleren Osten und Afrika mit Datenanschlüssen der Telekom Austria.

Auch in Industriestaaten hat der Satellit eine wichtige Aufgabe – als Ergänzung für Unternehmensnetze, oder um punktgenau Daten zu verteilen; so wird die Radiostation einer heimischen Handelskette über Satellit in den Großmärkten ausgestrahlt.

Rückgang in den Neunzigerjahren

Dabei ist in den Neunzigerjahren das Interesse an Satellitenverbindungen aufgrund der Konkurrenz von Glasfaserleitungen und Mobilfunknetzen zurückgegangen, viele Betreiber wie die Deutsche Telekom reduzierten ihre Erdfunkstellen. Bekanntester Flop war das Iridium-Projekt – ein Netz von 66 Satelliten zur Telefonie, das bei Fertigstellung keine Kunden fand und 1999 Bankrott ging.

Umdenken

Aber Terroranschläge, vor allem 9/11, und Naturkatastrophen wie Hurrikan "Katrina" haben das Interesse an Satelliten neu geweckt: "Sämtliche terrestrischen Netze, auch die Katastrophensysteme, sind in die Knie gegangen. Das führt jetzt zu einem Umdenken", beschreibt Trimmel. Eine neue Satellitengeneration soll künftig ermöglichen, dass im Krisenfall von einem Spezialhandy aus nicht nur das Mobilfunknetz, sondern auch der Satellit direkt erreicht werden kann.

Ein "typischer" moderner Satellit hat eine Kapazität, die mit jener der Glasfaser vergleichbar ist – 36 Transponder (quasi Funkleitungen) können je bis zu 155 Megabit pro Sekunde an Daten übertragen (das entspräche 400 Verbindungen im UMTS-Netz). (DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2006)

Helmut Spudich aus Dubai

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Telekom Austria

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    Die Antennenfarm in Aflenz funkt über rund 40 Spiegel die Satelliten für die jeweilige Region an, darunter auch Gebiete im Mittleren Osten und in Afrika.

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