Kolumne von Hans Rauscher: Israelischer Preis für Hans Dichand?

13. März 2006, 18:51
3 Postings

Es ist eine objektive Tatsache, dass die Krone, in der nichts geschieht, was Dichand nicht will, über Jahrzehnte hinweg antisemitische Untertöne in Millionenauflage verbreitete

Die "Kronenzeitung" ist die größte Zeitung Österreichs, die "Yediochot Achranot" die größte Zeitung Israels. Kürzlich war auf Seite 1 des israelischen Massenblattes das Konterfei des Krone-Herausgebers Hans Dichand zu sehen - Zugabe zu einem keineswegs schmeichelhaften Artikel, in dem gegen die Verleihung einer Auszeichnung an Dichand durch die "Jerusalem Foundation" Position bezogen wird. Die israelische Zeitung nimmt dabei auf frühere schwere Auseinandersetzungen zwischen Dichand und der Jüdischen Kultusgemeinde in Wien Bezug; aber auch auf einen Prozess, den Dichand im Jahre 2004 gegen mich geführt hatte, weil ich seinen 50-Prozent-Partner Erich Schumann (WAZ) mit den Worten zitiert hatte: er (Schuhmann) habe öfter wegen "antisemitischer Untertöne" in der Krone intervenieren müssen. Das Gericht gelangte aufgrund eines umfangreichen Wahrheitsbeweises, der hauptsächlich aus einschlägigen Kolumnen von "Staberl" und "Wolf Martin" bestand, "zu der Feststellung, dass die Neue Kronenzeitung zumindest in den im Urteil angeführten Beiträgen und Artikeln antisemitische und rassistische Untertöne (Hervorhebung im Original) jedenfalls bis zum Jahre 2003 verbreitet hat". ().

Preis der "Jerusalem Foundation"

Die Information an Yediot erging offenkundig von Leuten in Österreich, die den Herausgeber einer Zeitung, in der 1992 eine legendäre "Staberl-Kolumne" mit einer Verharmlosung des Holocaust erschien, nicht durch eine angesehene israelische Stiftung geehrt sehen wollen. Die "Jerusalem Foundation" ist eine Gründung des früheren Jerusalemer Bürgermeisters Teddy Kollek und hat in den 40 Jahren ihres Bestehens rund eine Milliarde Dollar für die Stadt mobilisiert. Sie setzt sich für eine "offene, moderne und pluralistische" Gesellschaft in Jerusalem ein. Eines ihrer Projekte ist eine Schule für jüdische und arabische Kinder. Für etliche Projekte hat Hans Dichand namhafte Summen gespendet. Dafür soll er nun die Auszeichnung erhalten, die traditionell in einem Raum der Knesset verliehen wird.

Es ist eine objektive Tatsache, dass die Krone, in der nichts geschieht, was Dichand nicht will, über Jahrzehnte hinweg antisemitische Untertöne in Millionenauflage verbreitete. Der wachsende Druck, unter anderem auch durch den Prozess, führte dann dazu, dass dies in den letzten Jahren aufhörte. Auch dürfte Dichand in der Auseinandersetzung mit der WAZ es für besser gehalten haben, diese offene Flanke zu schließen (WAZ-Chef Erich Schumann hat übrigens vor einigen Jahren schon die Auszeichnung der Jerusalem Foundation erhalten). Dichand förderte sogar kleinere jüdische Gruppen, so dass die teilweise sicher verwirrten Leser der Krone plötzlich große Bilder von orthodoxen Rabbis im Blatt fanden. Auch der Präsident der Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, hat deswegen sehr pragmatisch mit Dichand einen "Waffenstillstand" geschlossen: "Wir haben ein korrektes Verhältnis mit Dichand und wollen das unter keinen Umständen in der einen oder anderen Weise stören." Auch nicht durch eine offizielle Aussage zur Preisverleihung.

Überprüfung

Allerdings hat die "Jerusalem Foundation" nach den Vorwürfen in der "Yedioth Achronoth" (und nach der Drohung einiger österreichischer Foundation-Mitglieder mit dem Austritt) "nicht überstürzt agieren, aber ihr Vorgehen neu erwägen, wenn sich die erwähnten Vorwürfe als begründet herausstellen". Sie hat dazu eine Überprüfung eingeleitet, wie sie in einer Stellungnahme an den STANDARD bekannt gab. (DER STANDARD; Printausgabe, 7.3.2006)

Share if you care.