EU-Kandidaten erwarten keinen Rückgang der Korruption nach Beitritt

6. März 2006, 18:03
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Mehrheiten in Kroatien, Rumänien und Bulgarien rechnen mit Preissteigerungen aber auch mehr Auslandsinvestitionen

Wien - Die Bürger in Rumänien, Bulgarien und Kroatien erwarten sich laut einer Umfrage nach einem möglichen EU-Beitritt mittelfristig keinen Rückgang der Korruption. Auf die Frage, ob sie fünf Jahre nach einer Aufnahme in die Europäische Union mit einer derartigen Entwicklung rechneten, sagten 54 Prozent der Befragten Bulgaren mit "tritt wahrscheinlich nicht ein" bzw. "tritt bestimmt nicht ein". In Rumänien waren es 57, in Kroatien sogar 66 Prozent, die sich so äußerten.

Durchgeführt wurde die Umfrage zu Erwartungen rund um einen EU-Beitritt im Herbst 2005 auf Betreiben der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) und der Paul Lazarsfeld Gesellschaft für Sozialforschung (PLG). Pro Land wurden rund 1.000 Personen herangezogen. Ergebnisse der Umfrage wurden am Montag in Wien präsentiert.

Mehrheit: Korruption hat zugenommen

Sowohl in Bulgarien als auch in Rumänien und Kroatien sind große Mehrheiten der Ansicht, die Korruption habe nach dem Ende des kommunistischen Systems in ihrer Heimat zugenommen. In Rumänien denken 84 Prozent so, in Bulgarien 74, in Kroatien 72 Prozent.

In allen drei Staaten erwarten sich der Umfrage zufolge auch große Mehrheiten von an die 90 Prozent, dass die Preise in Folge eines Beitritts steigen werden. Gleichzeitig glauben 61 Prozent in Bulgarien und 67 Prozent in Rumänien an einen Anstieg im Lohnniveau in den ersten fünf Jahren einer Mitgliedschaft. Anders in Kroatien: Dort sehen nur 41 Prozent ein höheres Einkommen "wahrscheinlich" oder "bestimmt" auf sich zukommen, 56 Prozent dagegen nicht.

Unterschiede

Unterschiede zwischen Bulgarien und Rumänien, die Anfang 2007 oder Anfang 2008 den Beitritt vollziehen sollen, und auf der anderen Seite Kroatien, mit dem im Oktober erst Beitrittsverhandlungen aufgenommen wurden, zeichnen sich auch bei den Zukunftsprognosen in der Bevölkerung zur Wirtschaftsentwicklung ab. Laut Umfrage erwarten sich nämlich 56 Prozent der Kroaten keine Verbesserung in diesem Punkt, 43 Prozent dagegen schon. Im Vergleich dazu meinen 55 Prozent der Bulgaren und 72 Prozent der Rumänen, die wirtschaftliche Situation werde sich verbessern.

In allen drei Ländern erwarten sich Mehrheiten zudem eine Verbesserung der politischen Stabilität nach einem möglichen EU-Beitritt. Umgekehrt glauben Mehrheiten in allen drei Staaten nicht an einen Rückgang der Arbeitslosigkeit in diesem Fall.

Weder Kroaten noch Bulgaren und Rumänen befürchten durch eine EU-Mitgliedschaft mehrheitlich einen Verlust "spezifischer kultureller Eigenheiten und Gebräuche" oder einen "Verlust der nationalen Souveränität". Mit 46 Prozent ist die Angst vor einem Verlust von kulturellen Eigenheiten und mit 32 Prozent vor einem Souveränitätsverlust in Kroatien noch am größten. (APA)

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