Brunello & Co

12. März 2006, 18:37
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Nicht alles war erfreulich. Neben einigen eindeutig oxidativen und ausgezehrten Exemplaren, gab es auch solche, die vielleicht eher die Bezeichnung „Holzsaft“ verdienten

151 Weingüter präsentierten Ende Februar ihre Weine in der Fortezza von Montalcino - Brunello des Jahrgangs 2001, dazu einige – wenige - Riserva aus 2000, Rosso di Montalcino der Jahrgänge 2004 oder auch 2003 und Sant’Antimo DOC. Als erste große Weinbauregion Italiens stellt das Brunello-Konsortium auf seiner Homepage ein spezielles Internet-Service zur Verfügung, mit dessen Hilfe nach Eingabe der Banderolen- bzw. der Lot-Nummer genaue Angaben über die erstandene Flasche Brunello, Rosso oder Sant’Antimo nachgelesen werden können: u.a. Anzahl der produzierten Flaschen der jeweiligen Charge, Analysewerte wie Säuregehalt oder Extrakt, dazu gibt es den direkten Link zum Produzenten.

Viele gute Weine, aber nicht alles schmeckt nach Brunello - so kann der Jahrgang 2001 nach der Verkostung zusammengefasst werden, einige Weingüter brachten auch wieder gute Lagen-Varianten auf den Markt. 2001 wurde seinerzeit als „ausgezeichnetes Jahr“ mit vier von fünf möglichen Sternen eingestuft. 2005 wurde als „gut“ bewertet. Nicht alles war erfreulich, neben einigen eindeutig oxidativen und ausgezehrten Exemplaren, gab es auch solche, die vielleicht eher die Bezeichnung „Holzsaft“ verdienten: missverstandener Holzeinsatz, dessen geschmackliche Auswirkungen alle anderen Komponenten überlagert, austrocknendes Tannin, das bei allem Wohlwollen nicht als „jugendlich“ durchgeht.

Brunello DOCG ist 100 Prozent Sangiovese, gewachsen in als Brunello-Lagen registrierten Weingärten auf dem Gemeindegebiet von Montalcino. Der Wein muss mindestens zwei Jahre Fassreife und vier Monate Flaschenreife haben (sechs Monate Flaschenreife für die Riserva). Bis zum Jahr 2000, d.h. dem Brunello-Jahrgang 1995, waren noch drei Jahre Fassreife verpflichtend, wobei einige Produzenten vor allem für ihre Einzellagen-Weine noch immer an den alten Vorgangsweisen festhalten. Die Fassgrößen, in denen Brunello gelagert wird, reichen von Barrique bis zu großen Fässer aus slawonischer Eiche, dem traditionell verwendeten Holz. Wie auch Vino Nobile di Montepulciano erhielt Brunello im Jahr 1980 DOCG-Status, die kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung.

Rosso 2004 zeigte sich in seinen besten Ausprägungen elegant und strukturiert. Rosso di Montalcino ist ebenfalls Sangiovese, der ab 1. September des auf die Ernte folgenden Jahres verkauft werden darf. Rosso kann auch aus Weingärten kommen, die als Brunello-Lagen registriert sind, was ihn dann tatsächlich zum „kleinen Bruder“ des Brunello macht, der kürzer und möglicherweise auch in anderen Behältnissen bzw. Fassgrößen gelagert wurde

Sant’ Antimo DOC steht seit 1996 für Cuvées, die - mit oder ohne Sangiovese-Anteil - vor allem aus Cabernet, Merlot und/oder anderen „in der Provinz Siene empfohlenen und autorisierten Sorten“ bestehen. Die Bestimmungen für Sant’Antimo, den es in Rot und Weiß gibt, sind völlig offen.

Besonders beeindruckt haben Casanova di Neri, die gleich drei verschiedene Brunelli aus unterschiedlichen Lagen, bzw. Rebstöcken unterschiedlichen Alters auf den Markt bringen. Positiv aufgefallen sind weiters Casanuova delle Cerbaie, bei denen Rosso 04 und Brunello 01 schönen Sangiovese-Charakter zeigten nach Veilchen und leicht erdig, und auch der Sant’Animo (60 Prozent Sangiovese, 40 Prozent Merlot) immer noch nach Toskana schmeckte. Weiters Villa Poggio Salvi, Banfi, Poggio di Sotto, Poggio Antico, Franco Pacenti, oder das biodynmamisch arbeitende Gut Pian dell’Orino oder der Brunello von Mocali sowie “Villa della Raunate” aus deren ältestem Weingarten. Besondere Empfehlung für Rosso di Montalcino von Pinino bzw. von Lisini.

  • Artikelbild
    foto: luzia schrampf
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