Österreicher sind "Nestbauer"

12. Juli 2006, 16:30
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Einfamilienhäuser und Grundstücke sind in den Bundesländern voll im Trend, in Wien sucht aber nach wie vor jeder Zweite eine Mietwohnung

Wien - Ein eigenes Haus bzw. Grundstück steht bei den Österreichern auf der Wunschliste ganz oben. Mietwohnungen sind in der Nachfragegunst hingegen gesunken, zeigt eine Suchabfrage der Internetplattform immobilien.net, die quartalsweise durchgeführt wird.

Dieser Trend gilt für acht Bundesländer - für Wien wird Gegenteiliges konstatiert: Hier betrifft jede zweite Suchanfrage eine Mietwohnung, jede dritte eine Eigentumswohnung. "Im Trend liegt auch wieder zentrales Wohnen", berichtete Alexander Ertler, Geschäftsführer von immobilien.net: "Wiener Wohnungssuchende zieht es in die Regionen innerhalb des Gürtels." Der beliebteste Wiener Bezirk sei Mariahilf (6.), gefolgt von Neubau (7.) und der Josefstadt (8.).

"Nobelbezirke" am Stadtrand bleiben preislich konstant. Sie verzeichnen demnach Einbußen bei der Nachfrage und stagnieren aus diesem Grund auch preislich. Der 19. Bezirk etwa rutscht von seiner ursprünglichen Top-Platzierung im Nachfrage-Ranking ins Mittelfeld - Eigentumswohnungen wurden im letzten Jahr um zwei Prozent günstiger.

Preise im 15. Wiener Bezirk stark gestiegen

Ganz anders der Trend in ehemals günstigen Gegenden: So ist beispielsweise der durchschnittliche Quadratmeterpreis des 15. Wiener Gemeindebezirks (Rudolfsheim-Fünfhaus) im vergangenen Jahr (4. Quartal 2004 bis 4. Quartal 2005) um 27 Prozent von ursprünglich 1.364 Euro auf 1.738 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Ebenfalls teurer wurden der 4. (plus 18 Prozent) und der 10. Bezirk (plus 16 Prozent). Deutliche - wenn auch etwas gemäßigtere - Preissteigerungen erfuhren die Bezirke Ottakring (16., plus 14 Prozent), Simmering (11., plus 11 Prozent) und Floridsdorf (21., plus 8 Prozent).

Wenn es um das Wohnungsangebot geht, erweist sich Wien beliebtester Bezirk Mariahilf auch als einer der "leistbarsten" innerhalb des Gürtels. Die durchschnittlichen Anbotspreise für Eigentumswohnungen wurden dort im vergangenen Jahr sogar um vier Prozent günstiger, sie betragen aktuell im Schnitt 2.361 Euro pro Quadratmeter.

Generell gestiegen sind im 4. Quartal 2004 die durchschnittlichen Angebotsnettomieten in Wien. Besonders deutliche Preissteigerungen erlebten jene Bezirke, in denen zur Zeit auf Grund der verfügbaren Freiflächen viele Neubauprojekte entstehen, wie etwa im 22. Bezirk. Der 8. Bezirk erlebte auch in Sachen Miete einen Preissprung (plus 13 Prozent auf 9,40 Euro netto pro Quadratmeter). Am günstigsten wohnen die Wiener im 20. Bezirk (Brigittenau), wo der Quadratmeter im Durchschnitt auf 7,37 Euro kommt.

Außerhalb Wiens werden Häuser gesucht

In den restlichen acht Bundesländern halten 45 Prozent aller Wohnimmobilien-Suchenden Ausschau nach Einfamilienhäusern im Eigentum - Tendenz steigend. Das wird auch von heimischen Maklern bestätigt: "Einerseits stehen Investitionen in Immobilien hoch im Kurs, andererseits wird in den Medien laufend kolportiert, dass die Mieten im Steigen begriffen seien. Das hat gemeinsam für Rückenwind bei Eigentum gesorgt", sagte Michael Pisecky von s Real.

Mietwohnungen verzeichnen bis auf wenige regionale Ausnahmen permanente Einbußen bei der Nachfrage. Außerhalb Wiens belegt diese Immobilienart mit einem durchschnittlichen Nachfrageanteil von 17 Prozent zwar noch Platz zwei im Beliebtheitsranking - seit dem vierten Quartal 2004 ist das Interesse an Mietobjekten jedoch um zwölf Prozent gesunken.

Grundstücke werden immer interessanter

Auch die Nachfrage nach Wohnungen im Eigentum ist laut immobilien.net seit dem vierten Quartal 2004 in ganz Österreich um 13 Prozent gesunken. Privatgrundstücke finden sich bei den beliebtesten Wohnimmobilien zwar erst auf Platz vier, steigern ihren Nachfrageanteil jedoch seit Beginn der Erhebungen 2003 kontinuierlich (plus 19 Prozent seit dem vierten Quartal 2004).

Die Nachfrage nach Miethäusern stagniert auf relativ hohem Niveau. Das Angebot ist allerdings sehr gering. Preissteigerungen waren die Folge und diese resultierten in einem verstärkten Trend, das fehlende Angebot durch Hauskauf, aber vor allem Grundkauf einschließlich schneller Lösung, zum Beispiel ein Fertighaus, zu ersetzen.

Niederösterreich: Grundstücke gefragt

In Niederösterreich betraf im Vorjahr jede zweite Suchanfrage ein Einfamilienhaus (plus sieben Prozent seit dem vierten Quartal 2004), Privatgrundstücke weisen bereits einen Nachfrageanteil von 16 Prozent aus. Die Preise von Objekten in größerer Entfernung von Wien sind hier in letzter Zeit gesunken, bei s Real erwartet man nicht zuletzt dadurch ein Anziehen der Nachfrage. "Die Preisentwicklung in Wien und Umgebung zwingt Menschen, die im Grünen wohnen wollen, dazu, auch größere Entfernungen zur Stadt in Kauf zu nehmen."

Burgenland gegen den Trend

Im Burgenland entwickelte sich die Nachfrage gegen den österreichweiten Trend. Das Einfamilienhaus im Eigentum belegt zwar auch hier Platz eins im Nachfrage-Ranking, allerdings zieht die Nachfrage nach Mietobjekten stark an. Auch bei Grundstücken stieg die Nachfrage zusehends.

Arbeiterkammer für Mietenbegrenzung

Die Arbeiterkammer sieht sich durch die Erhebung in ihrer Kritik an privaten Wohnungsmieten bestätigt. Sie fordert eine wirksame Preisbegrenzung bei privaten Mietwohnungen.

Durchschnittsverdiener könnten sich viele private Wohnungsmieten kaum mehr leisten. Schließlich müssten heute durchschnittlich über 35 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens für die Miete einer privaten Mietwohnung gezahlt werden, führte die AK eine von ihr durchgeführte Analyse von knapp 470 Wiener Richtwertmieten an.

Die AK forderte deshalb eine Reform des Richtwertsystems mit gesetzlich geregelten Zuschlägen. Diese sollten bei Richtwertmieten gedeckelt und die Zuschlagsart verpflichtend bekannt gegeben werden. (map/APA)

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